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[Review] Unavowed

Ich habe für dieses Review einen Key von den Entwicklern erhalten!
Point-and-Click Adventure

Unavowed ist ein Point-and-Click Adventure das im selben Universum wie die Blackwell Reihe und irgendwann nach den Ereignissen von Blackwell Epiphany spielt. Wer hofft, dass eine der übrig gebliebenen Storylines diese Reihe hier abgehandelt wird, den muss ich allerdings enttäuschen. Es gibt thematisch zwar durchaus ein paar Verbindungen, es ist aber weder ein direktes noch ein indirektes Sequel, auch wenn es ein paar interessante Eastereggs gibt (die einem aber vermutlich nicht auffallen wenn man die Blackwell Reihe nicht mehr so genau im Gedächtnis hat). Stattdessen geht es diesmal um die Unavowed, eine Gruppe die quasi als übernatürliche Polizei fungiert. Sprich sie versuchen die Welt der Sterblichen vor Kreaturen von jenseits des Void zu beschützen.

Geister zählen schwachsinnigerweise aber nicht zu ihrem Einsatzgebiet, egal ob es sich um verlorene Seelen oder Poltergeister handelt. Das mag zwar einen gewissen Sinn ergeben, da die Unavowed nicht mit Geistern kommunizieren können, aber man sollte meinen, dass es da Mittel und Wege geben würde. Ist allerdings auch egal, da man ihre Herangehensweise im Laufe des Spiels tatsächlich ändern kann. Einer der Charaktere der sich einem später anschließt ist nämlich zufälligerweise ein Bestower of Eternity, sprich die selbe Art von Mensch die man schon in der Blackwell Reihe spielen durfte. Geister zu besänftigen ist aber trotzdem nur ein sekundärer Aspekt des Spiels. Und da man diesen Charakter nur indirekt steuern kann, bekommt man auch keinen vollwertigen Einblick in die Geisterwelt.

Blackwell Adventure Series

Wie die Charaktere hier gehandhabt werden, ist aber ganz interessant. Man kann sich nämlich für jeden Auftrag des Spiels eine Dreiergruppe zusammenbasteln, was sowohl die Dialoge, als auch die Rätsel beeinflusst. Der Hauptcharakter spielt in dieser Hinsicht ebenfalls eine Rolle, da man nicht nur dessen Geschlecht, sondern auch dessen Hintergrundgeschichte festlegen kann. So kann man sich entweder für einen Barkeeper, einen Schauspieler, oder einen Polizisten entscheiden, was den kompletten Prolog des Spiels verändert und gleichzeitig bestimmte Charakterbeziehungen beeinflusst. Je nach Beruf gibt es außerdem ein paar zusätzliche Gesprächsoptionen. Es ist also ein bisschen wie ein Rollenspiel.

Das hat allerdings zur Folge, dass der Protagonist als einziger keine Sprachausgabe besitzt. Stumm ist er oder sie aber trotzdem nicht, da es viele Dialogoptionen gibt die teilweise auf bis zu drei unterschiedliche Missions-Endings hinauslaufen. Diese kann man für Achievements aber schnell wiederholen insofern man rechtzeitig einen Speicherpunkt angelegt hat. Und sie haben sogar einen gewissen Einfluss auf das Finale, wenngleich sie niemanden daran hindern alle Endings in einem Durchgang zu bekommen.

Wadjet Eye Games

Das ist mir allerdings erst aufgefallen, nachdem ich mit den ersten Endings extrem unzufrieden war und danach einen "besseren" Durchgang probiert hatte. Bereut habe ich das aber trotzdem nicht, immerhin gab es dank des Gruppensystems einige neue Gespräche und unterschiedliche Rätsellösungen. Außerdem konnte ich nebenbei noch den Entwicklerkommentar laufen lassen, wodurch ich überhaupt erst von den Blackwell Eastereggs erfahren habe die mir beim ersten Mal vollkommen entgangen sind. Ich könnte es jetzt außerdem noch fünf weitere Male durchspielen damit ich tatsächlich alle Gruppenkombinationen und Achievements durch habe.

Gameplaytechnisch würde ich Unavowed dementsprechend zum bisher besten Spiel von Wadjet Eye Games erklären. Bei der Story bin ich mir dafür nicht wirklich sicher wo ich es einordnen würde. Weil es gibt zwar eine interessante Hauptstory die sich durch das ganze Spiel zieht, aber gleichzeitig hat es auch eine sehr missionsartige Struktur, wodurch man mehrere unterschiedliche Fälle zu lösen bekommt. Von daher könnte da für jeden was interessantes dabei sein. Und je nach Fall werden auch die Charaktere gut entwickelt, welche mit zu den besten Aspekten des Spiels gehören.

Rollenspiel

Nicht nur wegen des Gruppensystems, sondern weil man sowohl innerhalb als auch außerhalb der Missionen umfangreiche Gespräche mit ihnen führen kann. Und um das Spiel noch viel lebendiger wirken zu lassen, haben die Entwickler sogar Gespräche zwischen den Partymitgliedern eingebaut. Um diese zu sehen muss man aber häufiger zwischen den einzelnen Maps herumspringen. Und man sollte idealerweise immer ein paar Sekunden warten bevor man direkt auf eine andere Map springt. Bei schnellen Ortswechseln ist es mir nämlich mehrfach passiert, dass plötzlich ein Gespräch angefangen hat, welches dann aber direkt abgebrochen wurde. Und diese lassen sich leider nicht wiederholen, außer man hat zufälligerweise kurz davor gespeichert.

Das ist aber nur ein kleiner Makel eines ansonsten wunderbaren Spiels. Der Rest konnte mich nämlich fast vollkommen überzeugen, egal ob es um die gelungene Sprachausgabe, den atmosphärischen Soundtrack, die hübsche Grafik, oder die wunderbare Präsentation der Welt geht. Für ein richtig lebendig wirkendes Setting mag zwar noch ein bisschen was fehlen, aber da es die meiste Zeit eh nur regnet, lässt sich das zumindest gut erklären. Und die Wasser-Effekte sind für ein 2D Adventure einfach nur fantastisch.

Fantasy

Gameplaytechnisch sollte man außerdem nur selten Probleme haben, zumal es gar nicht so viele Objekte gibt mit denen man tatsächlich interagieren kann. Der Rest ist nur zum anschauen gedacht, wozu man nicht mal irgendwas anklicken muss. Stattdessen reicht es den Mauszeiger auf ein Objekt zu bewegen um eine Beschreibung eingeblendet zu bekommen. Spart verglichen mit anderen Adventures also einiges an Zeit.

Es gab an sich nur eine Stelle wo ich wirklich am verzweifeln war, weil keine meiner Ideen an einen Code zu kommen auch nur irgendwie erfolgreich war. Es gibt zwar einen Hinweis der einem die Lösung gut vermittelt, aber dass er für dieses Rätsel gedacht ist, ist nicht unbedingt offensichtlich. Ansonsten hat es aber glücklicherweise gereicht nochmal alle Orte abzuklappern und mit jedem Charakter ein zweites Mal zu reden wenn ich sonst nicht weiter wusste.

Insofern man an der einen Stelle nicht genauso auf dem Schlauch steht wie ich, dürfte Unavowed also ganz angenehm sein. Und mit einer Spielzeit von circa 10 Stunden (und vermutlich noch ein bisschen mehr wenn man sich die komplette Sprachausgabe anhört) wird auf jeden Fall einiges geboten. Zumal sich ein weiterer Durchgang auf jeden Fall noch anbieten würde wenn man mehr von den Charakterinteraktionen sehen möchte. Wer Point-and-Click Adventures mag, der sollte also auf jeden Fall zugreifen.




Unavowed dürfte vermutlich das bisher beste Adventure von Wadjet Eye Games sein, was vor allem an der interessanten Mischung aus Adventure und Rollenspiel liegt. Dadurch kann man das Spiel immerhin einige Male mit unterschiedlichen Charakter-Kombinationen durchspielen und immer wieder etwas neues zu sehen bekommen.

 

Positive Aspekte von Unavowed

  • Die Sprecher leisten allesamt wunderbare Arbeit.
  • Hübsche Grafik und ein atmosphärischer Soundtrack.
  • Die Rätsel sollten insgesamt keinen großen Probleme darstellen.
  • Dank des Party-Systems wird einiges an Wiederspielwert geboten, da sich dadurch nicht nur die Gespräche, sondern auch die Rätsel ändern.
  • Man kann sowohl das Geschlecht als auch die Hintergrundgeschichte des Protagonisten bestimmen, was nicht nur den Anfang des Spiels, sondern auch gewisse Gespräche und Charakterbeziehungen beeinflusst.

 

Negative Aspekte von Unavowed

  • Der Protagonist hat als einziger keine Sprachausgabe, was ein bisschen störend wirken könnte.
  • Wenn man schnell von einem Ort zum nächsten wechselt, dann werden Party-Gespräche häufig unterbrochen kurz nachdem sie angefangen haben. Und es gibt leider keine Möglichkeit sie nochmal abzuspielen ohne einen vorherigen Spielstand zu laden.
Unavowed Reviewed von Jack am 2018-08-08 Rating: 4.5