[Review] Ken Follett's Die Säulen der Erde - Jack-Reviews.com

[Review] Ken Follett's Die Säulen der Erde

Ken Follett Adventure

Die Säulen der Erde ist eine Adventure Adaption des ersten Buchs der historischen Kingsbridge Trilogie von Ken Follett. Die Bücher teilen sich allerdings nur das Setting und nicht die Charaktere, da die einzelnen Stories mehrere Jahrhunderte voneinander getrennt sind. Von daher muss man hier nicht auf irgendwelche Sequels warten um die komplette Story miterleben zu können. Da ich das Buch selber nicht gelesen habe, und auch nicht vorhabe es zu lesen, kann ich allerdings nicht sagen ob das Spiel eine gelungene oder zumindest akkurate Adaption des Originals ist. Von diversen Forum Postings und der Wikipedia Zusammenfassung ausgehend, scheint aber zumindest ein Großteil der Handlung adaptiert worden zu sein.

Es gibt allerdings einige größere Unterschiede, darunter was die Schicksale diverser Charaktere betrifft. Einer der Charaktere der im Buch irgendwann stirbt, schafft es hier nämlich auf jeden Fall bis ans Ende, auch wenn er dadurch komplett untergeht und einem nur durch Zufall nochmal über den Weg läuft. Andere Schicksale hat man dafür selber in der Hand, da es eine Reihe von Entscheidungen gibt die mal mehr und mal weniger Einfluss auf die Handlung nehmen. Am eigentlichen Ausgang mag das wie so üblich nicht viel ändern, aber es gibt zumindest eine Stelle an der viele Entscheidungen die man über alle Bücher hinweg getroffen hat nochmal angesprochen werden. Da hätten die Entwickler also sicher mehr draus machen können, aber für einen Durchgang funktioniert diese Illusion die Story beeinflussen zu können trotzdem ganz gut.

Ken Follett's The Pillars of the Earth

Ohne solche Entscheidungen gäbe es aber trotzdem etwas das die Säulen der Erde zu etwas Besonderem macht. Und zwar die Tatsache, dass sich die Handlung über viele Jahrzehnte hinweg erstreckt, wodurch man einige Charaktere von ihrer Kindheit bis ins hohe Alter mitbegleiten kann. Und zu dem Zeitpunkt haben manche von ihnen auch schon eigene Kinder, deren Nachfahren in den nächsten Büchern dann die Hauptrollen übernehmen. Ob es noch weitere Adaptionen gibt ist momentan zwar nicht bekannt, aber es wäre sicherlich ganz interessant. Zumindest wenn ein paar Probleme des ersten Spiels dort ausgemerzt werden würden.

Darunter die Tatsache, dass es für meinen Geschmack zu viele und zu große Zeitsprünge gibt, wodurch eine Beziehung unter anderem von "nicht vorhanden" auf "bereits etabliert" übergeht ohne dass man den Zwischenschritt hätte mitverfolgen können. Dabei wäre dieser Abschnitt doch mit am interessantesten gewesen! Und es gibt sogar eine Sequenz in der alle paar Minuten ein weiterer Zeitsprung stattfindet, während man zwischendrin nur jeweils ein bis zwei Aktionen ausführen kann. Mag storytechnisch zwar Sinn ergeben, aber wenn man eh nichts sinnvolles tun kann, dann hätte die Sequenz auch gleich komplett automatisch ablaufen können. Wäre höchstens deswegen problematisch, weil sich Zwischensequenzen nicht pausieren lassen. Das lässt sich mit Alt+Tab aber lösen, welches das Spiel trotzdem pausiert.

Point-and-Click Adventure

Das Pacing lässt aufgrund dieser Zeitsprünge aber auch ein bisschen zu wünschen übrig. Das mag zwar eventuell an der Vorlage liegen, aber es ist schon etwas seltsam wenn die Story endlich aufs Finale zusteuert, nur um plötzlich 11 Jahre in die Zukunft zu springen in denen scheinbar nichts Nennenswertes geschehen ist. Da hatte ich mir irgendwie etwas anderes erhofft.

Erst recht weil die Beschreibung des Spiels von einer epischen Geschichte über Krieg, Verschwörungen und Romantik redet, was meiner Meinung nach nur bedingt zutrifft. Es mag zwar tatsächlich ein Krieg toben der für die Story durchaus von Bedeutung ist, aber wirklich aktiv darin involviert ist man nur sehr selten. Mag alles ganz gut inszeniert sein, aber das ändert an der Tatsache halt nichts. Stattdessen würde ich sagen, dass die Charaktere und deren Beziehungen der Dreh- und Angelpunkt der Handlung sind.

Krieg

Da gibt es einen Jungen der keinen Vater hat und mit seiner Mutter in den Wäldern aufwachsen musste, einen Mann der schon immer eine Kathedrale bauen wollte und deswegen andere Jobs abweist obwohl er eine Familie zu versorgen hat, einen Mönch der durch diverse Schicksalsschläge anfängt seinen Glauben in Frage zu stellen, etc. Und da die Story wie bereits erwähnt eine große Zeitspanne abdeckt, kann man ganz gut mitverfolgen wie sie versuchen ihren Platz in der Welt zu finden und damit ringen entweder ihren Pflichten nachzukommen oder ihre Träume zu verwirklichen.

Ich muss allerdings sagen, dass ich mit dem ersten von drei Büchern nicht so wirklich warm geworden bin. In Sachen Gameplay gibt es zwar nicht wirklich was zu bemängeln (außer vielleicht der Tatsache, dass es vermutlich sehr viel mehr Story als tatsächliches Gameplay gibt), aber da ein Großteil der Handlung sich auf Vater Philip fokussiert, war mir das persönlich viel zu religiös. Das geht im Laufe der nächsten Bücher zwar nicht weg, aber dafür nehmen die Stories der anderen Charaktere eine zunehmend größere Rolle ein. Und die fand ich insgesamt ein bisschen interessanter als Philips Glaubenskonflikte. Die Antagonisten werden außerdem erst zu diesem Zeitpunkt so wirklich verabscheuungswürdig, wodurch ich mehr daran interessiert war sie fallen zu sehen.

Krieg

Ich sollte an der Stelle aber vermutlich erwähnen, dass das Spiel trotz seiner USK 12 Wertung nicht unbedingt für Kinder geeignet ist. Nicht nur weil es Szenen mit expliziter Gewalt zu bieten hat, sondern weil auch eine sehr raue und frauenfeindliche Sprache zum Einsatz kommt. Sprich weibliche Charaktere werden unter anderem als Huren beschimpft die die Antagonisten mal so richtig durchnehmen wollen. Davon abgesehen ist Die Säulen der Erde aber ein wunderschöns Adventure mit einem atmosphärischen Soundtrack und guten deutschen Synchronsprechern. Und in Sachen Gameplay hat es eigentlich alle Komfort-Funktionen zu bieten die man sich bei Adventures nur wünschen kann, wie schnelle Mapwechsel oder eine Hotspot Anzeige.

Ich habe die Einblendung des nächsten Ziels aber schnell ausgeschaltet, weil ich sie als extrem störend empfand. Und beim Wegklicken von Dialogen muss man an einigen Stellen ständig darauf warten, dass der Gesprächspartner seine aktuelle Animation beendet bevor das Gespräch endlich weitergeht. Ist zwar vollkommen egal wenn man die Sprachausgabe immer komplett durchlaufen lässt, könnte aber spätestens beim Sammeln fehlender Achievements etwas nerven. Dementsprechend würde ich unter anderem dazu raten, bei jeder neuen Sequenz auch einen neuen Spielstand anzulegen. Manche Achievements sind nämlich leicht zu verpassen.




Die Säulen der Erde ist ein wunderschönes Adventure das vor allem deswegen aus der Masse heraussticht, weil die Story sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Das führt allerdings zu einigen Pacing Problemen die den Gesamteindruck ein bisschen nach unten ziehen.

 

Positive Aspekte von Die Säulen der Erde

  • Wunderschöne Grafik und ein atmosphärischer Soundtrack.
  • Die deutschen Synchronsprecher leisten durchgehend gute Arbeit.
  • Eine interessante Geschichte die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt
  • Gut ausgearbeitete Charaktere die durchaus sympathisch, aber teilweise auch sehr verabscheuungswürdig sind.
  • Das Gameplay bietet viele Komfort-Funktionen und ist einfach genug, dass eigentlich niemand jemals hängenbleiben sollte.

 

Negative Aspekte von Die Säulen der Erde

  • Man kann mit seinen Entscheidungen zwar teilweise über Leben und Tod entscheiden, im Großen und Ganzen ändert sich dadurch allerdings nicht viel.
  • Aufgrund der Zeitspanne der Handlung gibt es einige Pacing-Probleme, darunter ein Finale das quasi 11 Jahre nach hinten verschoben wird in denen scheinbar nichts von Interesse passiert ist.
  • Beim Weglicken von Dialogen muss man teilweise darauf warten dass der Gesprächpartner seine aktuelle Animation beendet bevor das Gespräch endlich weitergeht.
Ken Follett's Die Säulen der Erde Reviewed von Jack am 2018-09-06 Rating: 4