Für dieses Review wurde mir ein Key zur Verfügung gestellt!
Tormentum II ist ein eigenständiger Nachfolger zu Tormentum: Dark Sorrow aus dem Jahr 2015, welches ich im Anschluss extra nochmal gespielt habe um meine Erinnerungen aufzufrischen und die restlichen Achievements mitzunehmen die ich damals ausgelassen habe. Und dementsprechend kann ich mit Gewissheit sagen dass es nicht nötig ist den ersten Teil zu spielen um den zweiten zu verstehen. Deren Stories haben nämlich nichts miteinander zu tun und selbst beim Setting bin ich mir nicht sicher ob es das selbe sein soll, auch wenn beide Spiele in einer alptraumhaften Welt stattfinden die visuell unter anderem von H. R. Giger inspiriert wurde.
Tormentum II beginnt allerdings nicht in dieser Welt, sondern in einer dystopischen Version unserer eigenen Welt im Jahre 2088, wo die Luftqualität so schlecht ist dass man ohne Atemmaske das Haus nicht mehr verlassen kann, Wasser konstant gefiltert werden muss um es nutzbar zu machen und viele Jobs mittlerweile von KIs ausgeübt werden nachdem die Welt im Jahr 2030 von einer zweiten Pandemie erschüttert wurde. Das bisschen was man von dieser Welt zu sehen bekommt wirkt außerdem sehr trostlos, bedrückend und heruntergekommen, wodurch man eigentlich von ausgehen sollte, dass ein Großteil der Menschheit sich in schöne virtuelle Welten zurückziehen würde um der tristen Realität zu entkommen.
David, der Protagonist, hat stattdessen eine noch viel düstere Welt erschaffen die zumindest teilweise auf Basis seiner Gedankenwelt konstruiert wurde: Tormentum. Diese virtuelle Welt wird kurz darauf allerdings zu einem realen Alptraum, da David beim Versuch einen neuen Prozessor in seinen Server einzubauen scheinbar tödlich verunglückt und sich kurz darauf in einer Zelle in Tormentum wiederfindet.
Im Gegensatz zum Vorgänger ist diese Fassung von Tormentum allerdings keine Einöde, sondern ein schier endloses Meer aus dem hier und da ein paar Inseln hervorragen. Und dadurch erinnert mich das Spiel zumindest oberflächlich an Monkey Island 2, da man hier von Insel zu Insel reist um einen Weg zu finden die Simulation wieder zu verlassen, falls das überhaupt möglich sein sollte. Obwohl die Menge an Inseln anfangs sehr übersichtlich wirkt, kommen im Laufe des Spiels allerdings immer mehr dazu. Sobald David auf einer Insel alle Aufgaben erledigt hat, wird diese allerdings auf der Karte durchgekreuzt und kann anschließend nicht mehr besucht werden. Es sollte also nur selten ein Problem darstellen herauszufinden wo man als nächstes hin muss.
Obwohl das Spiel so rätsel-lastig ist dass man auf so gut wie jedem Bildschirm ein Rätsel lösen muss, würde ich den Schwierigkeitsgrad außerdem als sehr einfach einstufen, vor allem wenn man sicherheitshalber auf jeder Map die Leertaste gedrückt hält um sich alle Hotspots anzeigen zu lassen. Im Notizbuch werden außerdem alle wichtigen Rätselhinweise festgehalten, wodurch man sich selber keine Notizen anfertigen muss. Im Gegensatz zum Vorgänger gibt es außerdem so gut wie keine Trial & Error Rätsel. Das Gameplay ist also insgesamt sehr angenehm und besser gelungen als im ersten Teil. Bezüglich Quality of Life Features gibt es außerdem nicht nur die Hotspot Anzeige, sondern auch einen Kompass der es einem erlaubt von überall direkt ins Boot zu springen und zu einer anderen Insel zu fahren. Das Gameplay geht also sehr zügig vonstatten.
Es gibt in dieser Hinsicht aber eine Sache die ich zu bemängeln habe, auch wenn sie einiges zum flotten Spieltempo beiträgt: wie schon im Vorgänger haben die Entwickler auf Laufanimationen verzichtet. David teleportiert sich einfach von Objekt zu Objekt, was man allerdings nie sieht, da jedes Objekt in Nahaufnahme gezeigt wird und man erst bei Verlassen dieser Ansicht sieht dass David jetzt daneben steht. Dadurch wird zwar einiges an Zeit gespart, visuell finde ich das aber ein bisschen unschön. An einer Stelle kurz vor Schluss, in einer der wenigen Actionszenen des Spiels, sieht man außerdem tatsächlich wie ein Charakter sich durch den Raum teleportiert anstatt sich flüssig auf die andere Seite zu bewegen. Spätestens da hätten die Entwickler also ein bisschen mehr Zeit und Geld investieren sollen um die Präsentation zu verfeinern.
Ich kann auch gar nicht nachvollziehen warum sie ausgerechnet an der Präsentation gespart haben. Das Spiel hat laut Beschreibung immerhin 200 richtig schöne, verstörende und handgezeichnete Hintergründe, beziehungsweise 500 wenn man die Nahaufnahmen dazuzählt. Viele Objekte mit denen David interagieren kann wurden außerdem flüssig animiert und die meisten NPCs haben Idle Animationen, wodurch die Entwickler 100%-ig in der Lage gewesen wären die fehlenden Laufanimationen ebenfalls einzubauen. Selbst ohne diese Animationen ist es aber ein viel hübscheres und qualitativ hochwertigeres Spiel als der Vorgänger. Dark Sorrow hat das alptraumhafte Setting zwar ebenfalls gut eingefangen, wirkt durch das ständige Schwanken des Bildschirms, die dauerhaft leuchtenden Hotspots, und die niedrige Framerate aber trotzdem wie ein Budget Titel. Tormentum II wirkt verglichen damit also wie ein Quantensprung, schlittert aber haarscharf an der Perfektion dran vorbei.
Nicht nur wegen der Präsentation, sondern auch wegen der Story. Das Spiel besitzt davon zwar viel mehr als der Vorgänger, wo die Story mehr wie eine Ausrede wirkte um Spieler von Ort zu Ort zu lotsen, es fehlt aber ein trotzdem ein gewisses Etwas: ein Gefühl der Bedrohung. Obwohl die Welt von Tormentum wie ein wahrgewordener Alptraum wirkt, hatte ich nämlich nie das Gefühl dass David in Gefahr wäre. Er kann also gemütlich von Insel zu Insel rudern und Stück für Stück alle Rätsel lösen ohne je um sein Leben fürchten zu müssen. Dutzende Game Over Szenarien wie in alten Sierra Adventures hätte ich zwar nicht gebraucht, aber ein paar bedrohliche Situationen hätten die Entwickler ruhig einbauen können. An einer Stelle gibt es zum Beispiel ein Labyrinth das perfekt für geeignet gewesen wäre um Spieler in Panik zu versetzen und sie durch die Gänge zu scheuchen. Dafür hätte dieses Labyrinth allerdings wesentlich labyrinth-artiger sein müssen. Mit Ausnahme von ein paar Abzweigungen ist es nämlich viel zu linear und da man direkt beim Betreten eine Karte erhält, ist es eigentlich unmöglich sich zu verlaufen, auch wenn Davids aktuelle Position nie vermerkt wird.
Im Großen und Ganzen ist Tormentum II aber ein gelunges Adventure das seinen Vorgänger in jeglicher Hinsicht in den Schatten stellt. Im Gegensatz dazu besitzt das Spiel außerdem mehrere Save Slots, wodurch es wesentlich einfacher ist alle Achievements und Endings freizuschalten. Dark Sorrow fand ich in dieser Hinsicht selbst bei meinem zweiten Durchgang richtig nervig, da es nur einen einzigen Autosave besitzt den ich ständig duplizieren musste um Achievements freizuschalten die sich gegenseitig ausschließen. In Tormentum II gibt es ebenfalls viele Achievements dieser Art, da reicht es in den meisten Fällen aber vorher zu speichern und dann alle Optionen durchzuprobieren. Falls man es versäumt haben sollte zu speichern kann man die Entscheidungen außerdem abbrechen und schnell ins Menü springen. Da die Menge an Save Slots stark begrenzt ist, dürfte das allerdings nicht reichen um alle Achievements in einem Run mitzunehmen.
Es wirkt auf mich außerdem so als ob die Entwickler die Spielzeit stark überschätzen. Laut Beschreibung soll Tormentum II nämlich 8 - 12 Stunden dauern. Persönlich war ich nach 6 Stunden aber durch obwohl ich einige Abschnitte mehrfach wiederholt habe um zusätzliche Achievements freizuschalten. Mangels Sprauchausgabe, die ich häufig nur so halbwegs durchlaufen lasse, sehe ich außerdem nicht wo ich die restliche Spielzeit hätte hernehmen sollen. An die 12 Stunden dürfte man also nur dann herankommen wenn man versucht jedes einzelne Achievement mitzunehmen.
>> Das Spiel kann auf Steam erworben werden <<
Abschließende Bewertung

Positive Aspekte von Tormentum II
- Fantastische Grafik die das Setting wie aus einem Alptraum wirken lässt.
- Atmosphärische Musik die wunderbar zum verstörenden Setting passt.
- Rätselhinweise werden im Notizbuch festgehalten und Hotspots lassen sich mit der Leertaste einblenden.
- Im Gegensatz zum Vorgänger, in dem man ohne große Umschweife in die Welt von Tormentum geworfen wurde, gibt es diesmal eine ordentliche Story die das Gameplay zusammenhält.
- Statt einem einzigen Autosave gibt es diesmal mehrere Save Slots die es wesentlich einfacher machen alle Achievements und Endings freizsuschalten.
Negative Aspekte von Tormentum II
- Für ein Adventure finde ich die Rätsel viel zu einfach.
- Obwohl das Setting wie aus einem Alptraum wirkt, hatte ich nie das Gefühl dass David in Gefahr wäre.
- Wie schon im Vorgänger haben die Entwickler auch diesmal auf Laufanimationen verzichtet obwohl das Spiel nicht nur fantastisch aussieht, sondern auch viele animierte Objekte und Idle Animationen besitzt.












