[Kurzreviews] Trials of Harmony | Hellblade: Senua's Sacrifice | The Dark Pictures Anthology: Man of Medan - Jack-Reviews.com

[Kurzreviews] Trials of Harmony | Hellblade: Senua's Sacrifice | The Dark Pictures Anthology: Man of Medan

Visual Novel

Trials of Harmony ist laut Beschreibung eine experimentelle Visual Novel die verglichen mit anderen Genrevertretern aber nicht viel neues zu bieten hat. Der einzig nennenswerte Unterschied besteht nämlich darin dass die Story mithilfe eines Chatinterfaces auf einem Smartphone erzählt wird. Es erinnert also ein bisschen an Spiele wie SIMULACRA oder Another Lost Phone, nur dass es hier so gut wie gar kein Gameplay gibt. Genretypisch gibt es dafür sehr viel zu lesen und in seltenen Fällen kann man auch mal eine Entscheidung treffen die die Story beeinflusst. Man hat dabei allerdings keine wirkliche Kontrolle mit wem man eigentlich redet.

Stattdessen wird ein Großteil der Geschichte vollkommen automatisch im Gruppenchat abgehandelt, und nur wenn dieser zum erliegen kommt darf man in ein anderes Fenster wechseln um dort ein privates Gespräch zu führen. Und das wäre für eine Visual Novel auch vollkommen in Ordnung, zumal sich das ganze um ein Mörderspiel dreht bei dem die Teilnehmer jeden Tag ein Rätsel lösen müssen das es ihnen erlaubt Punkte zu sammeln mit denen sie ihre Freiheit erkaufen können.

Das Problem ist nur, dass ein Durchgang circa 10 Stunden in Anspruch nimmt, obwohl ein schneller Leser vermutlich nur 3 oder 4 Stunden benötigen würde … wenn es denn möglich wäre die Story im eigenen Tempo zu lesen. Stattdessen scheinen die Gespräche mehr oder weniger in Echtzeit abzulaufen, sprich jeder einzelne Teilnehmer braucht einige Sekunden um die nächste Nachricht einzutippen, was im Falle des Gruppenchats dazu führen kann dass man minutenlang nur untätig herumsitzt während Stück für Stück neue Nachrichten eintrudeln.

Mir wurde mittlerweile vom Entwickler mitgeteilt dass es tatsächlich eine Möglichkeit gibt Texte zu überspringen, und das sogar auf sehr flotte Art und Weise. Man muss dafür allerdings auf den Pfeil rechts oben klicken der zwar nicht komplett unscheinbar sein mag, aber den ich trotzdem nie als irgendwas wahrgenommen habe auf das ich hätte klicken können. Es ist außerdem ein bisschen verwirrend das es auf der linken Seite einen identisch aussehenden Pfeil gibt der laut meines Tests aber keinerlei Funktion erfüllt. Falls man diesen (wenn denn überhaupt) zuerst anklicken sollte, dann könnte man also auf die Idee kommen dass die Pfeile einzig und allein zur Deko da sind. Von daher mag diese Funktion das Spiel zwar um einiges erträglicher machen, aber sie hätte trotzdem besser implementiert werden können. Zum Beispiel indem das Menü am Anfang automatisch ausfährt damit man auf seine Existenz aufmerksam wird.

Ab und zu darf man außerdem selber eine Nachricht abschicken, obwohl es in 90% aller Fälle nicht möglich ist irgendeine Auswahlmöglichkeit zu treffen. Man öffnet also nur das Chatinterface, drückt auf absenden, und der Rest läuft automatisch weiter. Die Präsentation des Spiels dient also einzig und allein der Spielzeitstreckung, wodurch ich teilweise einfach mal ein Buch in die Hand genommen habe um die furchtbaren Wartezeiten zu überbrücken. Und dementsprechend ist es mir nie gelungen vollends in die Welt einzutauchen um mit den Charakteren mitzufiebern. Stattdessen war es einfach eine Qual die ich endlich hinter mich bringen wollte.

Zwischendurch gibt es zwar noch die Rätsel die man lösen müsste, aber mangels Notizen habe ich da teilweise überhaupt nicht durchgeblickt und die Lösungen einfach nur erraten. War glücklicherweise relativ simpel da die Rätsel auf die selbe Art und Weise wie Danganronpa's Hangman's Gambit funktionieren, sprich man muss einfach nur ein paar Zahlen oder Buchstaben in der richtigen Reihenfolge anklicken. Von Zero Escape inspirierte Rätsel hätten aber wesentlich besser gepasst und mir vermutlich auch mehr Spaß gemacht. So kann ich das Spiel aber persönlich nicht empfehlen. Die Enthüllung dass ich das ganze wesentlich schneller hätte hinter mich bringen können ändert daran nicht besonders viel. Dafür fand ich die Auflösung der Story nämlich einfach nicht gut genug.

Monster

Hellblade: Senua's Sacrifice ist ein Spiel von dem ich eigentlich so gut wie gar nichts wusste bevor ich es gekauft habe. Nur dass es irgendwas mit Geisteskrankheiten zu tun hat und scheinbar sehr gut angekommen ist. Von daher wollte ich auf jeden Fall mal einen Blick riskieren, erst recht nachdem ich gesehen habe dass überraschenderweise ein Sequel angekündigt wurde. Ob ich dieses tatsächlich spielen werde steht mittlerweile allerdings in den Sternen. Nicht weil ich kein Interesse hätte zu sehen wie es weitergeht, sondern weil ich das Gameplay des Vorgängers einfach nur furchtbar fand. Wenn Hellblade keine Kämpfe hätte, dann wäre es nämlich nichts weiter als ein Walking Simulator der zu 80% daraus besteht dass man irgendwelche Runen finden muss die zum Beispiel von sich überlappenden Baumstämmen geformt werden.

Im Anschluss öffnet sich dann irgendwo ein Tor hinter dem entweder die nächste Runensuche wartet, oder einer von vielen repetitiven Kämpfen in dem häufig viel zu viele Gegner spawnen. Bei einem actionlastigen Spiel ala Devil May Cry wäre die Gegnermenge zwar vollkommen in Ordnung, aber Hellblade's Kampfsystem ist leider extrem behäbig und von den Angriffen her auch furchtbar limitiert. Dementsprechend laufen die meisten Kämpfe einfach nur darauf hinaus dass man versucht die gegnerischen Angriffe im richtigen Moment zu blocken um anschließend mit leichten oder schweren Angriffen zurückzuschlagen. Wenn man das eine Weile gemacht hat kann man außerdem in den Fokus-Modus wechseln, in dem die Welt um Senua herum verlangsamt wird, wodurch sie zum Beispiel mit Schilden bewaffneten Gegner in den Rücken fallen kann. Einzig die Bosskämpfe haben noch ein bisschen mehr zu bieten, aber davon gibt es leider nicht so viele. Und das Finale fand ich was das angeht einfach nur enttäuschend weil da ständig etwas angeteased wurde was schlussendlich gar nicht passiert.

Und das ist echt schade, zumal die Entwickler sich offensichtlich Mühe gegeben haben den schizophren Geisteszustand von Senua möglichst Realitätgetreu wiederzugeben. So hört man zum Beispiel von Anfang an mysteriöse Stimmen die aus allen Richtungen zu kommen scheinen, welche man aufgrund der Prämisse (Senuas Versuch die Seele ihres Geliebten aus der Unterwelt zu retten) als Geister oder irgendwas in der Art abstempeln könnte. In Wahrheit entspringen diese Stimmen aber allesamt Senuas Unterbewusstsein. Und das selbe trifft vermutlich auf all die Monster zu die sie bekämpfen muss, aber insofern das Sequel keine Klarheit schafft kann man sich im Endeffekt niemals sicher sein was in diesem Spiel tatsächlich passiert ist und was sich Senua nur einbildet.

Das Endergebnis ist auf aber jeden Fall extrem atmosphärisch und hätte noch viel besser sein können wenn das Gameplay nicht so furchtbar wäre. Von daher bin ich gespannt ob die Entwickler aus ihren Fehlern gelernt haben, oder ob Hellblade II genauso frustrierend sein wird. Mit einem spaßigen Kampfsystem und weniger Runensuchen wäre Hellblade immerhin ein richtig gutes Spiel. Aber so musste ich mich leider von Zwischensequenz zu Zwischensequenz quälen, was ich ein zweites Mal echt nicht mitmachen will.

Man of Medan ist ein Horrorspiel über das ich im Vorfeld eigentlich nur schlechtes gehört habe, vor allem verglichen mit dem indirekten Vorgänger Until Dawn. Dementsprechend hat es sich ganz gut getroffen dass ich das Spiel infolge eines Forentreffens spielen und nicht selber kaufen musste. Den negativen Bewertungen muss ich nämlich leider zustimmen, auch wenn es sich für einen Durchgang durchaus lohnen könnte. Zumindest insofern man ein paar Freunde auftreiben und das ganze im lokalen Multiplayer spielen kann. Im Gegensatz zum Online-Modus spielt man die einzelnen Stories dann zwar nicht simultan, aber dafür kann man zumindest sehen was die anderen Spieler machen, was ansonsten nicht so einfach wäre wenn man nicht im selben Raum sitzt oder die andere Sitzung mittels Stream verfolgen kann.

Im lokalen Multiplayer sitzt man zwar untätig rum bis der eigene Charakter endlich an der Reihe ist, aber es ist durchaus interessant zu sehen wie die Entscheidungen des aktuellen Spielers den Ablauf der Story beeinflussen. Vor allem wenn dieser gezwungen ist eine Reihe von Quick Time Events zu absolvieren die eventuell zum Tod seines Charakters führen können ... was mir dummerweise tatsächlich passiert ist da mein letztes QTE viel zu schnell war als dass ich rechtzeitig hätte reagieren können. Danach war das Spiel zwar auch vorbei, aber es hätte scheinbar noch ein bisschen weitergehen können wenn ich mehr von den QTEs vergeigt hätte.

Wer sich einzig und allein fürs Gameplay interessiert, der könnte also durchaus Spaß an Man of Medan haben, vor allem wenn man beide Formen des Multiplayers ausprobiert. Als Ausgleich dafür, dass man im Online-Modus nur einen Teil der Story zu sehen bekommt, soll der nämlich viele zusätzliche Entscheidungen und Zwischensequenzen zu bieten haben. Kann ich selbst natürlich nicht bestätigen (und das Internet hat mir was das angeht auch in keinster Weise weiterhelfen können), von daher muss ich diejenigen die mir das erzählt haben einfach mal beim Wort nehmen.

Mein größtes Problem hat aber sowieso nichts mit dem Gameplay sondern mit der Story und deren Präsentation zu tun. Man of Medan spielt nämlich auf einem verlassenen Geisterschiff dessen düstere Gänge teilweise mittels fixierter Kameraperspektiven dargestellt werden, was für einige gruselige Momente hätte sorgen können. Wie an einer Stelle wo es kurzzeitig so wirkte als ob der eigene Charakter in einem finsteren Korridor verschwindet während er von jemandem verfolgt wird der im Vordergrund die Treppe hinabsteigt. Diese unbekannte Gestalt war aber in Wirklichkeit der Hauptcharakter, was durch den plötzlichen Kamerawechsel erst nicht offensichtlich war. Solche subtilen Horrormomente sucht man in Man of Medan außerdem vergeblich. Stattdessen gibt es Jumpscares, Jumpscares und noch mehr Jumpscares. Und die meisten davon sind einfach nur billig da sie ständig von lauten Soundeffekten begleitet werden die dementsprechend der einzige Grund sind warum man sich eventuell erschreckt.

Ich bin außerdem der Meinung dass der Übergang zu den Horrormomenten absolut misslungen ist. Anfangs gibt es zwar einige ruhige Kapitel, gefolgt von ein bisschen Action, aber sobald die übernatürlichen Ereignisse losgehen heißt es plötzlich Horror, Horror, Horror, und das natürlich mit einer ganzen Masse an Quick Time Events. Man wird also geradezu in eine Achterbahn des Horrors geschleudert und muss sich dann durch mehrere Kapitel kämpfen bevor das ganze wieder abflacht. Mag von der Inszenierung her nicht schlecht sein, aber das ändert halt nichts daran dass mir das alles viel zu schnell ging.

Das Ende was wir erspielt haben fand ich in dieser Hinsicht auch extrem suboptimal. Storytechnisch wäre das zwar scheinbar eins der besten (wenn nicht zwei von uns krepiert wären), aber wir waren halt gerade mitten in der Action,  und nach meinem Tod war dann plötzlich alles vorbei obwohl sich die Charaktere theoretisch noch an Bord des Schiffes hätten zurückkämpfen müssen. Ich hätte also scheinbar schlechter spielen müssen um ein etwas logischeres Finale zu erwirken. Nichtsdestotrotz bin ich gespannt ob Little Hope, also der nächste Teil dieser Dark Pictures Anthology, das irgendwie besser macht. Und wenn nicht, dann kann ich mir das hoffentlich beim nächsten Forentreffen anschauen um kein Geld verschwenden zu müssen.