[Review] Chaos;Child - Jack-Reviews.com

[Review] Chaos;Child

Horror Mystery Visual Novel

Chaos;Child ist eine Mystery Visual Novel die als indirekter Nachfolger zu Chaos;Head fungiert. Sprich die Ereignisse bauen zwar direkt auf dem Ende des Vorgängers auf, aber außer Takumi gibt es keine wiederkehrenden Charaktere. Und selbst dieser taucht nur indirekt in einer der Charakter-Routen auf, weswegen man die Visual Novel theoretisch auch ohne den Vorgänger lesen könnte. Dann fehlt es einem zwar an Informationen die das Spiel nie ausreichend zusammenfasst, aber dafür könnten bestimmte Enthüllungen tatsächlich überraschend sein, während man als Kenner des Vorgängers quasi nur drauf wartet.

Ich muss allerdings sagen, dass sich die Spiele von der Story her sehr ähnlich sind. In Chaos;Head ging es immerhin um mysteriöse Mordfälle die Shibuya heimsuchen, und genau das Selbe ist auch diesmal wieder der Fall. Das hat zwar durchaus einen Grund, wirkt aber trotzdem etwas unkreativ. Persönlich hat es mich allerdings nur wenig gestört, schon weil der neue Protagonist (Takuru Miyashiro) eine wesentlich aktivere Rolle in der Story einnimmt als Takumi es je getan hat. Er versucht nämlich zusammen mit seinen Freunden dieser Mordserie auf den Grund zu geben, was unter anderem darin resultiert, dass sie sich einfach mal an einen Tatort schleichen bevor die Polizei diesen untersuchen kann.

Dass er tatsächlich Freunde hat mit denen er häufiger etwas unternimmt, ist außerdem ein weiterer gewaltiger Unterschied. Takumi hat menschlichen Kontakt immerhin die meiste Zeit gemieden, und wenn er tatsächlich mal mit jemanden interagieren musste, dann hat er oft nur vor sich hingestammelt. Von daher bin ich froh, dass es diesmal einen normaleren Hauptcharakter gibt. Auch wenn er keinesfalls solch ein Normie ist wie er ständig behauptet.

Lesben

100%ig glücklich bin ich mit ihm aber trotzdem nicht, was vor allem am Gameplay liegt. Das Delusion System aus dem Vorgänger kommt nämlich auch diesmal wieder zum Einsatz, welches diesmal sogar essenziell ist um die verschiedenen Charakter-Routen freizuschalten. Sprich Miyashiro bekommt ab und zu die Möglichkeit entweder positive oder negative Wahnvorstellungen zu haben (oder halt gar keine), wobei ich bei manchen positiven Sequenzen keine Ahnung habe, was an denen positiv sein soll. Und viele davon sind einfach nur anzüglich, wenn nicht gar komplett pervers. Wie zum Beispiel eine Sequenz in der Miyashiro den Körper mit einer Klassenkameradin tauscht und direkt an sich rumfummelt. Und die negativen Wahnvorstellungen fand ich häufig einfach nur absurd, weswegen ich die meistens komplett übersprungen habe. 

Das selbe habe ich in Chaos;Head nach einer Weile zwar ebenfalls getan, aber da fand ich diese Wahnvorstellungen scheinbar etwas besser. Auch wenn ich mir nach all der Zeit nicht mehr sicher bin wieso. Dort waren sie für die Routen aber zumindest so gut wie irrelevant (auch wenn das in Chaos;Head Noah vermutlich anders aussieht, aber diese Fassung des Spiels wurde eh noch nicht übersetzt). In Chaos;Child musste ich dafür zu einer Lösung greifen, weil ich ansonsten keine Ahnung gehabt hätte welche Wahnvorstellungen zu welchen Routen führen.

Diese kann man allerdings nur dann spielen, wenn man die komplette Hauptstory (abgesehen vom wahren Ende) einmal abgeschlossen hat. Und das ist vermutlich auch besser so, weil dieses Mord Mysterium in all diesen Routen komplett abgewürgt wirkt und sich der Fokus stattdessen auf einen der weiblichen Charaktere verschiebt. Ist für Visual Novels also recht typisch, wenngleich ich die Umsetzung ein bisschen suboptimal finde.

Chaos;Child

Es führt nämlich dazu, dass einige wichtige Enthüllungen innerhalb der Hauptstory nie auch nur angesprochen werden. Und dadurch hat einer der Charaktere innerhalb der Story so gut wie nichts zu tun. Dessen Route fand ich vom Konzept her aber fast schon besser als die eigentliche Story, vor allem was das Finale angeht. Und man hätte da vermutlich ein komplett neues Spiel draus stricken können. Mehr kann ich ohne zu spoilern allerdings nicht sagen und leider auch nicht zeigen.

Die Hauptstory hat mein Interesse auf Dauer aber besser gehalten, schon weil sie richtig atmosphärisch, spannend und teilweise sogar gruselig ist. Vor allem wenn es um die einzelnen Mordfälle geht, die teilweise extrem verstörend sind. Die perversen Wahnvorstellungen vertragen sich mit dieser ernsten Story aber echt nicht, weswegen ich froh bin, dass diese im Laufe der Zeit komplett verschwinden. Ansonsten kann ich zur Story aber gar nicht soviel sagen ohne irgendwas vorwegzunehmen. Ich kann aber zumindest versprechen, dass es einige überraschende Twists gibt. Auch wenn einer von diesen ein bisschen sinnlos wirken mag.

Ich sollte außerdem noch erwähnen, dass es zwischendurch tatsächlich Sequenzen gibt in denen man die Fälle abarbeiten und manchmal sogar Schlussfolgerungen ziehen muss. Wirklich falsch machen kann man dabei aber nichts, außer an einer Stelle die zu einem etwas spoilerhaften schlechten Ende führt. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass irgendjemand tatsächlich die falsche Antwort wählen würde. Außer um zu sehen was dabei passiert.

Mordfall

Wer Chaos;Head mochte, der dürfte also durchaus seinen Spaß an Chaos;Child haben. Und wer den Vorgänger wegen Takumi gehasst hat, der sollte trotzdem einen Blick riskieren. Um die perversen Wahnvorstellungen kommt aber leider niemand drum herum. Wobei man diese auch einfach durchskippen kann. Wann diese anfangen und wann sie enden ist nämlich mehr als offensichtlich.

Falls es irgendwann noch einen Teil geben sollte, dann hoffe ich aber, dass sie diesen etwas anders angehen. Dieses Delusion System hat sich nach zwei Spielen nämlich komplett abgenutzt. Es wäre aber vermutlich interessanter, wenn sie so langsam auf ein Finale der Science Adventure Reihe (welche auch noch Steins;Gate und Robotics;Notes beinhaltet) hinarbeiten und ein Crossover entwickeln würden. Sowas in der Art war ja immerhin schon geplant, wurde dann aber leider gecancelt. Das Sequel zu Robotics;Notes könnte dafür sogar der Anfang sein, immerhin scheint Daru aus Steins;Gate diesmal eine wichtige Rolle einzunehmen.

Bevor ich auf sowas hoffe, sollte ich mir aber vermutlich wünschen, dass Robotics;Notes irgendwann mal übersetzt wird. Der Anime ist im Gegensatz zu den Chaos Adaptionen zwar durchaus sehenswert (wenngleich nicht auf dem selben Level wie Steins;Gate), aber das Original würde ich schon gerne lesen. Den Rest der Reihe kann ich aber auf jeden Fall empfehlen, auch wenn Chaos;Head meiner Meinung nach der schwächste Ableger von ist. Sollte man sich aber durchaus anschauen falls einen die Reihe interessiert. Zumal mittlerweile sogar eine Fan-Übersetzung der Noah Fassung in Arbeit ist.




Chaos;Child ist eine verstörende Mystery Visual Novel die ihren Vorgänger in so gut wie allen Belangen übertrifft und einige überraschende Twists zu bieten hat. Die perversen Wahnvorstellungen vertragen sich mit der ernsten Story aber echt nicht.

 

Positive Aspekte von Chaos;Child

  • Eine verstörende Story die einige gute Twists zu bieten hat.
  • Miyashiro ist meiner Meinung nach ein wesentlich besserer Protagonist als Takumi aus Chaos;Head.
  • im Gegensatz zum Vorgänger hat das Spiel einen einheitlichen Anime-Stil anstatt hässliche 3D Grafik zu bieten
  • Das Spiel ist teilweise richtig atmosphärisch, spannend und sogar gruselig, was sowohl an der gelungenen Soundkulisse, als auch am Soundtrack liegt.

 

Negative Aspekte von Chaos;Child

  • Ohne Lösung dürfte es so gut wie unmöglich sein die ganzen unterschiedlichen Routen freizuschalten.
  • Die ernste Story leidet ein bisschen unter den ganzen perversen Wahnvorstellungen, auch wenn diese im Laufe der Zeit glücklicherweise verschwinden.
Chaos;Child Reviewed von Jack am 2018-07-15 Rating: 4.5