Bravely Default Review - Jack-Reviews.com

Bravely Default Review

Final Fantasy
Bravely Default ist ein JRPG für den Nintendo 3DS welches von SNES Klassikern wie Final Fantasy 5 inspiriert wurde
An sich ist das Spiel zwar ein indirektes Sequel zu Final Fantasy: The 4 Heroes of Light, aber da ich dieses nicht gespielt habe (und auch nicht vorhabe zu spielen) kann ich diese nicht miteinander vergleichen. Bravely Default hat aber nicht nur das Job-System von Final Fantasy 5 sondern auch eine ähnliche Story zu bieten.

Die vier Kristalle von Luxendarc geraten nämlich außer Kontrolle wodurch der Wind zum erliegen kommt und das Meer sich in eine tödliche Brühe verwandelt. Die anderen Kristalle spielen keine so gewaltige Rolle, müssen aber ebenfalls gereinigt werden um die Dunkelheit zu bannen.

Diese Aufgabe übernehmen die vier Helden des Lichts (die Bezeichnung wird allerdings nur einmal verwendet, wenn ich mich nicht irre):
  • Agnès Oblige - die Wächterin des Windkristalls
  • Tiz Arrior - ein junger Mann dessen Dorf von unbekannten Mächten vernichtet wird
  • Edea Lee - ein junges Mädchen das ihr Land verrät um die Welt zu retten
  • Ringabel - ein Frauenheld der sein Gedächtnis verloren hat
Wer eine interessante Story voller Wendungen erwartet, der wird mit Bravely Default allerdings nicht glücklich. Von der Grafik mal abgesehen könnte es ebenso für das Super Nintendo erschienen sein. Wer mit Final Fantasy 4 - 6 etwas anfangen konnte, der könnte also auch an Bravely Default seine Freude haben. Die letzten vier Kapitel dürften den Gesamteindruck allerdings massiv nach unten ziehen.

Wind Vestal

Ohne einen wichtigen Twist zu spoilern kann ich zwar nicht sagen warum das Spiel an der Stelle so den Bach runtergeht, aber es wäre nicht verkehrt zu sagen, dass ein Großteil der Story in den ersten vier Kapiteln abgehandelt wird, während der Rest sich hauptsächlich mit den Charakteren befasst.

Die entsprechenden Aufgaben kann man zwar allesamt links liegen lassen (zumal sie keinerlei Exp geben!), aber so schnell wie das auf manchen Seiten behauptet wurde bin ich dann doch nicht bis zum Ende gekommen. Ab Kapitel 5 hat mich nämlich jeder einzelne Boss in Grund und Boden gestampft. Also musste ich erstmal grinden, grinden und noch mehr grinden. Bestimmte Job-Kombinationen sollen das Spiel zwar zu einem Witz machen, aber das macht dann ja auch keinen Spaß.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich einen Dieb mit Mimic missbraucht habe um jede Runde einen Angriff spammen zu können der zwischen 4000 und 9999 HP Schaden angerichtet hat. Fordernd waren die Kämpfe aber trotzdem.

JRPG

Das Gameplay ist trotzdem eine der größten Stärken des Spiels. Es mag zwar eher klassisch angelegt sein, hat dafür aber Features zu bieten von denen andere JRPGs sich ruhig eine Scheibe abschneiden könnten. So lässt sich nicht nur der Schwierigkeitsgrad ändern sondern auch die Häufigkeit der Random Encounter. Das ist sowohl beim Grinden als auch vor Bosskämpfen sehr nützlich.

Man kann am Ende eines jeden Dungeons zwar Items kaufen, muss sich aber selber hochheilen. Bei den absurden Äther-Preisen von 1000pg pro Stück ist es also sinnvoller die Kämpfe abzuschalten um nochmal in die letzte Stadt zu rennen. Weil ein Magier ohne MP ist nicht gerade hilfreich. In den letzten Kapiteln wusste ich allerdings nicht wohin mit all dem Geld. Weil viel zu kaufen gibt es da nicht mehr.

Sollte die Party unvorhergesehenerweise ins Gras beißen ist das aufgrund von Autosaves übrigens so gut wie nie ein Problem. Diese werden bei jedem Mapwechsel angelegt und machen es so gut wie unmöglich mehrere Stunden an Spielzeit zu verlieren. Die entsprechende Option lässt sich zwar abschalten, aber ich wüsste nicht wieso irgendwer das tun sollte. Außer derjenige will das Spiel so klassisch wie möglich erleben.

Klassen

Das Kampfsystem ist auch nicht so gewöhnlich wie es auf den ersten Blick wirken mag. Der Ablauf ähnelt zwar den meisten rundenbasierten Kampfsystem, hat aber einen ganz besonderen strategischen Faktor: mithilfe der Brave- und Default-Befehle können Züge entweder gesammelt oder mehrfach hintereinander ausgeführt werden. Default wirkt dabei als eine Art Verteidigung und lässt sich mithilfe spezieller Job-Befehle noch verstärken.

Brave ermöglicht dafür bis zu vier Angriffe auf einen Schlag. Dadurch lassen sich viele Kämpfe noch in der ersten Runde entscheiden, was teilweise sogar überlebensnotwendig ist. Immerhin gibt es schon im zweiten Dungeon Gegner die sich hochbuffen und gleichzeitig mit Blind und Gift um sich werfen. Diese sollten also getötet werden bevor sie überhaupt zum Zug kommen.

Mehrere Attacken auf einmal auszuführen hat allerdings Konsequenzen: der entsprechende Charaktere muss mehrere Züge aussetzen. Außer er hat die verbrauchten Züge vorher mithilfe von Brave ausgeglichen, was vor allem bei Bosskämpfen zu empfehlen ist. Ein Weißmagier der nicht heilen kann bringt immerhin niemanden etwas.

Bravely Default

An der Stelle kommt allerdings ein weiteres Feature des Job-Systems zum tragen: neben dem gewählten Job können die bereits erlernten Fähigkeiten eines anderen Jobs verwendet werden. Ein Weißmagier kann also auch schwarze Magie verwenden. Außerdem können bis zu vier passive Fähigkeiten einer beliebigen Klasse ausgerüstet werden.

Dadurch konnte mein Weißmagier den mächtigen Wiederbelebungszauber Arise auf die gesamte Gruppe anwenden ohne zusätzliche MP zahlen zu müssen. Und mein Dieb konnte die bereits erwähnte Mimic-Fähigkeit verwenden, welche auf der letzten Stufe des ansonsten nutzlosen Freelancer Jobs erlernt wird.

Bei 24 unterschiedlichen Jobs gibt es also eine Vielzahl an Möglichkeiten das Spiel zu bestreiten. Manche habe ich allerdings nie auch nur angefasst. Beschwörer erschienen mir bei der geringen Anzahl an Beschwörungen eher nutzlos. Und mit dem Kombinieren von Items wollte ich mich ebenfalls nicht herumschlagen, auch wenn sich damit wohl die HP im Kampf verdoppeln lassen.

Den Schwertmeister oder Piraten kann ich dafür nur jedem empfehlen. Letzteren habe ich allerdings nur als Zweitjob verwendet, da seine Fähigkeiten die gegnerischen Charakterwerte senken können. Mein Hauptjob war dafür der Schwertmeister, welcher mit starken Kontern um sich werfen kann. Fürs Grinden ist allerdings die Valküre mit dem Zweihandskill des Ritters am sinnvollsten. Zwei davon vernichten mithilfe des Autokampfs jede Gruppe.

Diese Funktion ist quasi selbst programmierbar, da sie die letzten Befehle speichert und endlos wiederholt. Von daher konnte ich stundenlang im Kreis laufen und musste nur ab und zu mal speichern und heilen. Das macht die letzten 20 Stunden allerdings auch nicht angenehmer (selbst mit vierfacher Kampfgeschwindigkeit). Und ich habe nichtmal alles gemacht, was ich ab dem fünften Kapitel hätte tun können.


So habe ich zum Beispiel Norende nur teilweise wieder aufbauen können. Das entsprechende System erinnert sehr an Free-2-Play, muss man teilweise doch stundenlang warten bis irgendwas fertig wird. Das lässt sich mithilfe neuer Bürger zwar beschleunigen, aber diese gibt es nur mithilfe der Streetpass-Funktion. Freunde könnten vermutlich ebenfalls helfen, aber ich habe täglich nur zufällige Anfragen verschicken können und dadurch maximal vier neue Bürger erhalten.

Fand ich persönlich eher nervig, zumal Norende mit die beste Ausrüstung zu bieten scheint. Meistens war diese aber längst veraltet als ich sie endlich freigeschaltet hatte. Ich hätte vermutlich noch langsamer spielen müssen um das Spiel nicht zu überholen.

Am schwachsinnigsten ist allerdings das Bravely Second-System. Dieses erlaubt es Spielern die Zeit anzuhalten und SP für Angriffe zu verwenden. Um diese zu erhalten muss das Spiel allerdings 8(!!) Stunden im Standy laufen. Die einzig andere Möglichkeit sind SP Tränke ... die es nur für echtes Geld zu kaufen gibt.

Dieses komplett überflüssige Feature hat es auf meine Wertung allerdings keinen Einfluss. Wäre ansonsten aber ein bescheuertes Feature da bereits benutzte SP auch nach einem Game Over nicht erstattet werden.


Wer sich für das Gameplay interessiert, dem kann ich Bravely Default also durchaus empfehlen. Die Story ist zwar nicht furchtbar, aber drei Kapitel weniger hätten ihr sicherlich gut getan. Auch wenn der Twist mit Airy durchaus interessant war, zumal er die ganze Zeit angedeutet wurde. Immerhin ist Airy nur Fairy ohne F. Und da Bravely Default ein Final Fantasy ohne Final Fantasy ist, kann man den Untertitel auch als Lying Airy lesen.


 

Abschließende Bewertung



Bravely Default mag zwar sehr klischeehaft wirken, kann mit seinem vielfältigen Jobsystem und vielen Komfort-Features aber auf ganzer Strecke punkten. Die letzten Kapitel haben allerdings dafür gesorgt, dass ich das Spiel nie wieder anfassen werde.

 

Positive Aspekte von Bravely Default


  • das Jobsystem bietet viele Kombinationen mit denen sich das Spiel bestreiten lässt
  • dank Brave und Default wird das ansonsten eher typische Kampfsystem um eine interessante taktische Komponente erweitert
  • es gibt viele nützliche Komfortfeatures, darunter anpassbare Random Encounter, Autosaves, 4-fache Kampfgeschwindigkeit und Autokämpfe

 

Negative Aspekte von Bravely Default



  • Norende wieder aufzubauen dauert ohne Streetpass Begegnungen viel zu lange 
  • Bravely Second ist dank Microtransactions und ewiger Wartezeiten vollkommen nutzlos
  • Kapitel 5 - 8 sind furchtbar anstrengend (der Schwierigkeitsgrad zieht massiv an, aber die meisten Bosse geben keinerlei Exp) und fokussieren sich hauptsächlich auf die Charaktere
Bravely Default Reviewed von Jack am 2015-11-12 Rating: 3