[Review] NieR:Automata - Jack-Reviews.com

[Review] NieR:Automata

Action-RPG

NieR:Automata ist ein Action-RPG dessen Story circa 9000 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers beginnt. Dementsprechend könnte man einfach so einsteigen ohne irgendwas zu verpassen. Ich würde aber trotzdem dazu raten den ersten Teil zu spielen, schon weil man ansonsten die ganzen Anspielungen nicht versteht die über das Spiel verstreut sind. Darunter eine Reihe von Sidequests die vermutlich nicht ganz so emotional rüberkommt wenn man keine Ahnung hat warum sie einem überhaupt etwas bedeuten sollte. Es gäbe zwar auch einen guten Grund der dagegen sprechen würde den Vorgänger zu spielen, aber der ist zu eng mit Spoilern verbunden als dass ich hier drauf eingehen könnte. Und insgesamt wäre es vermutlich trotzdem besser chronologisch vorzugehen.

Aufgrund dieses gewaltigen Zeitsprungs ist aber einiges passiert das man nicht direkt zu sehen bekommt, darunter eine Alien-Invasion die das Antlitz der Erde für immer verändert hat. Seitdem treiben zum Teil gewaltige Maschinenwesen ihr Unwesen deren einziges Ziel die Ausrottung der Menschheit beinhaltet. Diese hat sich allerdings auf den Mond zurückgezogen und das YoRHa Projekt ins Leben gerufen. Dieses besteht aus Androiden die erschaffen wurden um die Maschinen und ihre Schöpfer zu vernichten. Sonderlich erfolgreich waren sie bisher allerdings nicht, immerhin tobt der Krieg schon seit tausenden von Jahren ohne dass eine Seite je die Oberhand gewinnen konnte.

Um dem hoffentlich ein Ende zu setzen schlüpft man in die Rolle von 2B und 9S, zwei Androiden die anfangs damit beauftragt werden einen neuen Goliath zu bezwingen, also eine der riesigen Maschinen die die Erde unsicher machen. Und an der Stelle zeigt sich, dass NieR:Automata genau wie sein Vorgänger mehrere Genres in einem Spiel vereint. Man beginnt die Story nämlich in einer Art von Mech und muss sich wie in einem SHMUP durch eine Gegnerwelle nach der andern ballern. Es gibt davon auch noch eine zweite Fassung in der die Gegner von allen Seiten kommen und der Mech dementsprechend vom Flugmodus in einen Kampfmodus wechselt. Und ab und zu darf man die Action auch von der Seite oder von hinten begutachten.Wirklich schwer ist aber keins davon, außer eventuell bei einem Bosskampf in der Mitte des Spiels.

NieR:Automata

Es gibt außerdem richtige Bullet Hell Abschnitte die in Form eines Hacking-Minispiels daherkommen. Das bekommt man allerdings erst in zweiten Durchgang zu sehen, wo der Fokus von 2B auf 9S umschwenkt um die selbe Story nochmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Klingt zwar interessanter als der zweite Durchgang des Originals (der ja trotzdem die selbe Geschichte erzählt hat), aber insgesamt fand ich ihn trotzdem schwächer. Weil die einzigen Szenen die sich wirklich ändern sind der Anfang und das Ende. Zwischendurch werden zwar neue Zwischensequenzen abgespielt, aber so interessant wie die Enthüllungen in Nier fand ich die nicht. Der dritte (und letzte) Durchgang ist da schon eine andere Sache. In diesem wird nämlich die zweite Hälfte der Geschichte erzählt ohne die ich das Spiel als sehr unbefriedigend empfunden hätte. Im Gegensatz zu Nier muss man also alle Endings sehen um die Story zu verstehen.

Also abgesehen von den 21 Gag-Endings die sich meiner Meinung nach in keinster Weise lohnen. Das YoRHa Hauptquartier einfach so in die Luft zu sprengen klingt zwar cool, die Umsetzung ist aber genauso langweilig wie in allen Gag-Endings: es wird eine kurze Nachricht eingeblendet, dann laufen die Credits innerhalb einer Sekunde durch ... und das wars. Das ist besonders nervig wenn man eines dieser Endings ausversehen freischaltet. Man wird zwar theoretisch gewarnt wenn man irgendwo hinrennt wo man eigentlich nicht hin soll, aber je nach Laufgeschwindigkeit kann es da bereits zu spät sein. Dadurch durfte ich unter anderem den zweiten Durchgang nochmal starten da es keine Möglichkeit gab vor diesem alternativen Ende zu speichern.

Wenn also gerade irgendwas wichtiges passieren sollte, dann geht am besten erst der Story nach. Dadurch können zwar diverse Sidequests verloren gehen, aber dafür gibt es ja mehrere Durchgänge in denen ihr sie nachholen könnt. Und wenn selbst das nicht reichen sollte, dann gibt es nach den letzten Endings eine Kapitel-Auswahl mit der ihr alles nachholen könnt was euch noch fehlen sollte. Sidequests die bereits erledigt wurden werden aber stets übernommen. Darum müsst ihr euch beim zweiten oder dritten Mal also nicht nochmal kümmern.

Sängerin

Ich muss zwar zugeben, dass die Sidequests teilweise sehr langweilig und sogar anstrengend sein können (wie eine furchtbare Schatzsuche in der Wüste), aber für die Hauptstory lohnt sich NieR:Automata allemal. Diese ist nicht nur fantastisch in Szene gesetzt sondern wird auch von einem ebenso fantastischen Soundtrack untermalt. Das zeigt sich vor allem bei den Bosskämpfen, in denen man gegen ein gigantisches Monster nach dem andern kämpft. Der dritte Durchgang schwächelt in dieser Hinsicht allerdings ein bisschen. Er hat zwar durchaus gute Szenen zu bieten (darunter eine Art Beat'em Up Sequenz), aber die meiste Zeit kämpft man nur gegen ganz normale Maschinen.

Was die Charaktere angeht bin ich außerdem gemischter Meinung. Da es sich bei den Protagonisten um Androiden handeln finde ich sie schlichtweg nicht so interessant wie die komplette Gruppe in Nier. 9S könnte zwar durchaus als normaler Mensch durchgehen da er unter anderem versucht eine engere Beziehung zu seinem Operator aufzubauen, aber 2B verhält sich die meiste Zeit sehr kalt und gefühlslos. Dabei können Androiden durchaus Gefühle empfinden. Genauso wie die Maschinen der Aliens, wie einem mehr als einmal vor Augen geführt wird. 2B ist zwar durchaus ein etwas tiefgründigerer Charakter als auf den ersten Blick ersichtlich sein mag, aber es ist halt alles sehr subtil. Mehr kann ich allerdings nicht sagen ohne die Story vorweg zu nehmen.

Das selbe trifft eigentlich auf alle interessanten und bizarren Ereignisse zu auf die ihr im Laufe des Spiels stoßen werdet, von daher werde ich jetzt nur noch auf das Gameplay eingehen. Also auf die Action-RPG Elemente. Es gibt zwar noch Platformer-Abschnitte, aber zu denen gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Man springt halt ein bisschen rum und kämpft dabei wie im restlichen Spiel.

Platformer

Je nach Charakter kann man dabei bis zu zwei Waffen gleichzeitig ausrüsten, eine für schnelle und eine für schwere Angriffe. Dafür gibt es Schwerter, Speere, sowie diverse Faustwaffen. Ich muss allerdings sagen, dass ich die Menge an Waffen komplett nutzlos finde. Da es zu viele Ressourcen kostet diese aufzuwerten bin ich eigentlich das ganze Spiel über nur mit meinen verbesserten Standard-Waffen rumgerannt. Und als ich bezüglich einer geheimen Sidequest alle aufgewertet hatte erschien die Masse trotzdem nutzlos, da nur die wenigstens besser waren als das was ich bereits besaß. Von daher ist es eigentlich pure Geschmackssache was man verwendet.

Neben den Waffen hat jeder Charakter außerdem einen Pod zur Verfügung der sowohl als Fernkampfwaffe (eine mit Dauerfeuer, eine mit Raketen und dann noch irgendwas das ich nicht gefunden habe) als auch als Behälter für Spezialfähigkeiten dient. Damit kann man unter anderem einen gebündelten Laserstrahl abfeuern, sich mit einer Barriere umgeben, Gegner verlangsamen oder alles um sich herum auf einmal angreifen. Letzteres habe ich auch die meiste Zeit verwendet da es die schnellste Methode ist Gegnerhorden zu vernichten. Wenn man mehrere Pods besitzt kann man außerdem mit einem Tastendruck zum nächsten wechseln. Das selbe trifft auf die Waffen zu, welche man in zwei Sets unterteilen könnte. Wozu auch immer man das tun sollte.

Ein weiteres wichtiges Element sind Chips die man seinen Androiden einsetzen kann um Statuswerte und Fähigkeiten zu verbessern oder sogar neue Fähigkeiten freizuschalten. So kann man zum Beispiel seine HP, seinen Nahkampfschaden oder seine Verteidigung verbessern oder dafür sorgen, dass man durch das Vernichten von Gegnern oder eigene Treffer geheilt wird. Ebenso lässt sich die Reichweite erhöhen die man beim Ausweichen überbrückt. Und man kann sogar die Zeit verlangsamen wenn gegnerische Projektile einem zu Nahe kommen.

Chips

Bevor man sich wirklich damit beschäftigen kann, sollte man aber erstmal neue Slots freischalten um so viele Chips wie möglich einbauen zu können. Im Anschluss kann man identische Chips außerdem miteinander fusionieren um deren Effekt zu steigern. Man sollte an der Stelle allerdings darauf achten wie viel Steckplätze sie benötigen. So würde ich zum Beispiel nicht dazu raten einen Chip mit 12 und einem mit 21 Steckplätzen zu fusionieren. Der würde im Anschluss nur unnötig Platz wegnehmen. Deswegen kann ich auch nur davon abraten bei einem bestimmten Shops die angeblich so tollen Chips zu kaufen. Die mögen zwar gute Werte haben, verbrauchen aber eine absurde Menge an Steckplätzen die man für andere Chips verwenden könnte.

Und das war an sich auch schon das wichtigste in Sachen Gameplay. Wobei ich vermutlich noch erwähnen sollte, dass es mehrere Schwierigkeitsgrade gibt zwischen denen man jederzeit wechseln kann. Auf Einfach werden einem sogar spezielle Chips angeboten die die Kämpfe quasi von allein erledigen. Würde ich zwar nicht zu raten, aber falls irgendwer nur die Story erleben möchte, wäre das zumindest eine Option. Wobei Youtube Videos dann auch reichen würden. Auf Normal kann das Spiel zwar etwas schwer sein, aber das legt sich gegen Ende eigentlich. Schon weil man von jedem Item 99 Stück mit sich tragen kann und sich somit selbst beim geheimen Superboss ständig hochheilen kann. In Kombination mit Heil- und HP-Chips sollte der Kampf dementsprechend kein Problem sein. Diesen überhaupt freizuschalten war um einiges nerviger.

Und zu guter Letzt sollte ich euch vermutlich darauf hinweisen, dass es keine gute Idee ist im ersten Dungeon zu sterben. Mangels Autosaves sowie manuellen Speicherpunkten würde ein Game Over nämlich dazu führen, dass ihr den kompletten Abschnitt nochmal spielen müsstet. Ist mir zwar glücklicherweise nicht passiert, aber es scheint durchaus keine Seltenheit zu sein. Der Rest des Spiels ist in dieser Hinsicht um einiges fairer. Da dauert es jedenfalls keine Dreiviertelstunde bis man wieder speichern kann. Und man muss die Speicherpunkte nach dem ersten Mal auch gar nicht aufsuchen. In der Nähe zu stehen reicht schon um speichern zu können. Einzig für die Schnellreise-Funktion müssen die entsprechenden Punkte verwendet werden.

Und apropos Schnellreise-Funktion: ohne diese wären die Sidequests unerträglich. Die Welt hat nämlich einige weitläufige Gebiete zu bieten und man wird ständig von einer Ecke der Karte zur anderen gescheucht. Deswegen würde ich dazu raten beim ersten Mal nicht alles mitzunehmen. Das ist fürs Pacing einfach besser da man teilweise mit Sidequests nur so erschlagen wird und somit Stunden damit verbringen könnte nur durch die Gegend zu rennen anstatt die Story zu verfolgen. Dementsprechend habe ich 15 Stunden für den ersten Durchgang gebraucht (und 34 für alle Endings) obwohl 7 Stunden scheinbar reichen würden um das erste Ending zu sehen.


 

Abschließende Bewertung



NieR:Automata ist ein unterhaltsames Action-RPG das vor allem mit seiner Präsentation und seinem fantastischen Soundtrack glänzen kann. Wer den Vorgänger mochte dürfte also durchaus seinen Spaß dran haben. Und wer diesen nicht kennt kann problemlos einsteigen ohne etwas wichtiges zu verpassen. 

 

Positive Aspekte von NieR:Automata



  • fantastischer Soundtrack
  • man kann jederzeit zwischen den Schwierigkeitsgraden wechseln
  • die Story wird sehr gut in Szene gesetzt und hat einige interessante Twists zu bieten
  • das Kampfsystem geht gut von der Hand und bietet einiges an Optionen, vor allem was die Austattung der Androiden angeht
  • dank Schnellreise-Funktion kann man schnell von einem Punkt der Karten zum anderen springen
  • nach dem letzten Durchgang wird eine Kapitel-Auswahl freigeschaltet mit der alles nachgeholt werden kann was man eventuell verpasst hat

 

Negative Aspekte von NieR:Automata


  • die alternativen Gag-Endings wurden allesamt sehr billig umgesetzt
  • manche Sidequests können sehr langweilig und anstrengend sein
  • die letzte Route schwächelt ein bisschen was die Präsentation angeht
  • die Charaktere lassen allesamt zu wünschen übrig, vor allem die Antagonisten
  • das Hacking-Minispiel ist ohne lock-on fast unspielbar da es so gut wie unmöglich ist die Gegner anzuvisieren und gleichzeitig auszuweichen
  • die neue Perspektive im zweiten Durchgang macht nur begrenzt Sinn da 2B und 9S fast das ganze Spiel zusammen sind
  • es gibt zwar viele unterschiedliche Waffen, aber es lohnt sich nicht die alle aufzuwerten da die Unterschiede zu gering sind
NieR:Automata Reviewed von Jack am 2017-03-23 Rating: 4