[Review] Half-Minute Hero: The Second Coming - Jack-Reviews.com

[Review] Half-Minute Hero: The Second Coming

Rollenspiel
The Second Coming erzählt eine fünf Szenarien überspannende Story die nach den Ereignissen von Half-Minute Hero angesiedelt ist
Wer in keinster Weise gespoilert werden will, der sollte dementsprechend zuerst den Vorgänger spielen (welcher beim Kauf des zweiten Teils enthalten ist). Sonderlich komplex war dessen Story aber nicht. Es gab nichtmal eine wirkliche Beziehung zu dem (optionalen) Charakter der als Mutter der Helden-Familie dient, von denen jeder Protagonist im zweiten Teil abstammt.

The Second Coming versucht sich zumindest ein bisschen mehr Mühe zu geben und parodiert dabei viele andere Rollenspiele, unter anderem Final Fantasy 6. Aufgrund des Konzepts konnte ich diese aber nur selten ernst nehmen. Immerhin könnten die Antagonisten jederzeit gewinnen wenn sie mit ihrem Zauber der Zerstörung nicht solange warten würden bis ein Held auftaucht um sie dran zu hindern.

Außerdem könnten rein theoretisch alle schlimmen Ereignisse ungeschehen gemacht werden. Es benötigt nur ein bisschen Gold um die Göttin der Zeit zufrieden zu stellen. Passiert aber natürlich nicht. Außer wenn es dann doch mal passiert. Wirklich logisch funktioniert das alles nicht. Mal werden Ereignisse trotz zurückspulen beibehalten, dann wiederum nicht. Dabei ist es egal ob es den Helden helfen würde oder nicht, sonst gäbe es zumindest eine Ausrede.

Half-Minute Hero: The Second Coming

Die Struktur des Spiels finde ich auch ein bisschen suboptimal. Während die ersten beiden Szenarios zusammenhängen, so erzählen die danach komplett neue Geschichten. Einzig das letzte Szenario führt diese alle nochmal zusammen. So war es zwar auch im Vorgänger, aber da hatten die anderen Szenarien auch neues Gameplay zu bieten. Hier kommt dafür jedes Mal das selbe Konzept zum Einsatz.

Das hat mich allerdings gar nicht gestört. Im Gegensatz zum Vorgänger wirkte nämlich keins davon elendig gestreckt. Yushas Story (welche in den Szenarien Overture und Judgment behandelt wird) wirkte von allen aber noch am interessantesten und hatte auch die dramatischsten Momente. Danach kommt eine quirlige Prinzessin die die Welt vor einem bösen Imperium retten will ... weil sie es kann. Und danach ein Kerl der sich den Göttern entgegenstellt ohne dass man seine Entwicklung bis zu diesem Punkt verfolgen könnte.

Was mich aber wirklich genervt hat waren die Endings aller Szenarien außer Overture und Destiny. Genauer gesagt die nicht vorhandenen Endings. Man bezwingt die aktuelle Bedrohung und dann kommen die Credits. Was danach aus den Charakteren geworden ist kümmert das Spiel nicht wirklich. Man kann sie zwar im nächsten Szenario wieder an Bord holen, aber dafür muss man erst besondere Kristalle finden.

Evil Lord

Komplexe Charaktere sucht man allerdings vergeblich, sowohl auf Seiten der Helden als auch auf der ihrer Gegenspieler. Und viel zu sagen haben sie auch nicht, selbst wenn man mit ihnen in der später erhältlichen Basis redet. Braucht das Spiel natürlich auch nicht unbedingt. Aber wenn es schon versucht sich mehr an klassische RPGs anzunähern, dann hätte ruhig ein bisschen mehr Mühe in die Story und die Charaktere gesteckt werden können.

Sowas wie Yashus Story-Arc hätten sie sich aber sparen können. Dieser fällt schon bei oberflächlicher Betrachtung vollkommen auseinander. Ich meine, gut, er war in die Königin verknallt und hat ihren scheinbaren Tod nicht verkraftet. Aber wie kann er jemals so dumm gewesen sein zu glauben, dass dies tatsächlich die Königin war? Sie wollte einfach so ihre eigene Tochter hinrichten lassen! Das hätte als Indiz doch vollkommen ausreichen müssen. Aber nein, lieber holt er sich ein böses Schwert und schwört auf Jahrhunderte Rache. Was für ein Schwachsinn.

Davon mal abgesehen ist das Spiel aber sehr unterhaltsam. Das Grundprinzip hat sich zwar nicht geändert, aber dafür gibt es viele kleine Verbesserungen. Wer den Vorgänger nicht kennt: man rennt innerhalb von 30 Sekunden über eine Map um so viele Level wie möglich aufzusteigen und sich die bestmöglichste Ausrüstung leisten zu können. Die Kämpfe laufen dabei vollkommen automatisch ab. Man kann nur Gegenstände benutzen, rennen oder weglaufen.

Es ist allerdings nur selten möglich die Missionen innerhalb von 30 Sekunden zu schaffen (jedenfalls beim ersten Mal). Da die Göttin der Zeit die Helden unterstützt kann aber jederzeit das Limit zurückgesetzt werden. Man muss nur eine stetig steigende Geldsumme an ihren Statuen opfern. Oder die komplette Ausrüstung, falls es mal nicht reichen sollte. Dort lassen sich auch alte Missionen wiederholen. Ebenso dienen sie als Teleporter.

Rollenspiel

Warum man Missionen wiederholen sollte? Weil es unterschiedliche Titel freizuschalten gibt. Die hängen mal von erledigten Quests ab, mal davon wie der Endboss bezwungen wird. Das kann auch unterschiedliche Waffen mit sich bringen, wovon manche gegen bestimmte Gegnerarten effektiver sind als andere. Das habe ich allerdings nur beachtet wenn es tatsächlich verlangt war.

Diesmal gibt es außerdem Charakterklassen die in der Basis frei gewechselt werden können. Allerdings nur für den Protagonisten. Dieser erhält daraufhin diverse Boni oder Mali und kann die Spezialfähigkeiten der dazugehörigen Waffen nutzen. Meistert er diese durch häufigen Einsatz können sie optional auch angelegt werden. Somit lässt sich eine Waffe zum Beispiel mit Lebensentzug koppeln, selbst wenn das nicht ihre normale Fähigkeit wäre.

Es lassen sich auch zwei Waffen zu einer neuen verschmelzen, aber das fand ich nur selten interessant. Ebenso wie Beschwörungen die im Laufe der Zeit freigeschaltet werden. Verschlingen einfach viel zu viel Zeit als dass sich deren Einsatz lohnen würde. Da nehme ich doch lieber Kräuter zur Heilung mit.

Ein weiteres neues Feature sind Formationen. Diese dienen aber nur bedingt dazu schwächere Charaktere zu schützen. Wichtig sind an sich nur ihre Effekte. Mehr Schaden, Erfahrung, Gold. Durchaus ganz nützlich. Teilweise müssen dafür aber Titel gesammelt werden. Wie man diese erlangt lässt sich durch mehr oder weniger kryptische Hinweise ab dem Judgment-Szenario nachlesen. Ist für Overture dementsprechend ein bisschen blöd.

Kampfsystem

Die größte Änderung ist allerdings das globale System. Dieses erlaubt Level die außerhalb von Missionen errungen wurden in diese mitzunehmen, sprich man startet nicht ständig auf Level 1. Nur das Gold wird auf 100 zurückgesetzt. Dadurch lassen sich irgendwann auch schwere Missionen innerhalb von Sekunden meistern. Was allerdings ein Problem ist.

Es gibt nämlich auch globale Dungeons in denen Schätze versteckt sind. Sind größtenteils nicht der Rede wert, aber im letzten Szenario kommt ein 30-stöckiges Dungeon zum Einsatz dessen Endboss nur mit Level 100+ bezwungen werden kann. Dadurch sind alle nachfolgenden Missionen ein Witz. Selbst die 3-Sekunden Quest, an deren ursprünglicher Fassung ich mir die Zähne ausgebissen habe.

Das Dungeon selbst ist aber recht nervig, vor allem aufgrund der großen Gegner die die Party automatisch bezwingen. Dadurch gehen alle bisher gesammelten Schätze verloren, was mir an einer Stelle wieder und wieder passiert ist. Danach musste ich alle Ebenen nochmal durchqueren. Und im Gegensatz zu den richtigen Missionen werden schwache Gegner nicht automatisch bezwungen. Glücklicherweise gibt es mehrere Ausgänge. Ansonsten hätte ich das vermutlich links liegen gelassen.

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten. Es gibt einen Time Attack-Modus, einen Endlosmodus, Multiplayer (den habe ich mir allerdings nicht angeschaut), sowie einen Map-Editor. Von daher lässt sich auch nach der letzten Mission noch einiges an Zeit totschlagen. Komplett andere Modi wären zwar cool gewesen, aber zumindest gibt es unterschiedliche Missionsarten, wie ein Quiz, ein Autorennen, ein Wettkampf, ein Turnier, ein invertiertes Level.

Fans des ersten Teils dürften also voll auf ihre Kosten kommen. Ob das ausreicht um es jemanden schmackhaft zu machen der das Konzept nicht mag? Keine Ahnung. Ich zweifle allerdings dran. Dank Steams Refund-System ist es aber ein Leichtes mal einen Blick zu riskieren.

 

Abschließende Bewertung



Half-Minute Hero: The Second Coming ist ein gelungenes Sequel welches die Schwächen des Vorgängers über Bord wirft und viele nette Erweiterungen einbaut. Es kann sich allerdings nicht entschieden ob man die Story nun ernst nehmen soll oder nicht.

 

Positive Aspekte von The Second Coming


  • der Soundtrack ist größtenteils gelungen
  • die Missionen gehen allesamt gut von der Hand und bieten einiges an Abwechslung
  • aufgrund der globalen Level lassen sich auch unmöglich erscheinende Titel mit Leichtigkeit nachholen
  • dank des Map Editors kann man sich auch lange nach Bezwingen aller Modi noch mit dem Spiel beschäftigen

 

Negative Aspekte von The Second Coming


  • Yashu ist ein absoluter Vollidiot
  • außer dem ersten und letzten Szenario enden alle viel zu plötzlich 
  • aufgrund der globalen Level können selbst die ultimativsten Herausforderungen zu einem absoluten Witz verkommen
  • mal will das Spiel witzig sein, dann soll man die Story wieder ernst nehmen, aber so wirklich klappen tut diese Mischung nicht