[Review] Mass Effect: Andromeda - Jack-Reviews.com

[Review] Mass Effect: Andromeda

Open World Shooter

Mass Effect: Andromeda sollte ein neuer Anfang für die Serie sein, losgelöst von der Shepard-Trilogie und all den Entscheidungen die dessen Abenteuer geprägt haben. Es sollte eine neue Galaxie mit neuen Aliens und neuen Bedrohungen erforscht werden, aber wenn man sich die allgemeine Resonanz so anschaut, dann ist das den Entwicklern nicht wirklich gelungen. Das zeigt sich schon darin, dass mittlerweile der Singleplayer-Support eingestellt wurde und es dementsprechend keine DLCs mehr geben wird die das Gesamtbild etwas abrunden könnten. Und von einem Sequel darf man auf längere Zeit wohl ebenfalls nicht ausgehen. Wenn denn überhaupt.

Nichtsdestotrotz wollte ich mir selber ein Bild von machen. Dass keine DLCs mehr erscheinen hat diese Entscheidung umso leichter gemacht. Mit einer Spielzeit von 55+ Stunden (mit so gut wie allen Quests) wird trotzdem einiges geboten, wenngleich ein größerer Fokus auf Qualität statt Quantität wirklich nicht geschadet hätte. Das Spiel leidet nämlich unter dem selben Problem wie Dragon Age: Inquisition - offene Welten mit vielen langweiligen Quests die direkt aus einem MMORPG stammen könnten.

Der neue Mako (hier Nomad genannt) sorgt allerdings dafür, dass das Erforschen der Planeten nicht ganz so anstrengend ist, schon weil man damit sogar steile Anhöhen erklimmen oder aus gewaltigen Höhen stürzen kann und somit schneller vorankommt als mit einem Reittier das ständig irgendwo festhängt. Ich finde es allerdings nervig, dass man andauernd zwischen zwei Fahrtmodi wechseln muss. Der normale (und schnellere) Modus ist für Anhöhen nämlich komplett ungeeignet, selbst wenn man auf den Boost zurückgreift. Ein einzelner Tastendruck reicht für den Wechsel zwar aus, einen wirklichen Zweck erfüllt es aber nicht. Außer das Spiel ein ganz klein wenig zu strecken.

Mako

Das Kampfsystem trägt ebenfalls zu bei, dass die Planetenerkundung nicht ganz so anstrengend ist. Und das ist vermutlich auch der einzige Aspekt in dem Mass Effect: Andromeda seine Vorgänger übertrumpft. Nicht nur weil es sich fast ausschließlich wie ein Shooter spielt, sondern weil man auch wie ein Wahnsinniger durch die Gegend hüpfen, in der Luft schweben, mit Attacken um sich werfen und mit Tastendruck in Deckung hechten und sich dort regenerieren kann. Und das macht einfach Spaß. Und geht auch richtig schnell. Vor allem gegen Ende, wo ich mit meinem Scharfschützengewehr viele Gegner mit einem Kopfschuss aus dem Weg geräumt habe.

Die scheinen zwar allesamt mitzuleveln, das sollte bei einmaligem Durchspielen aber kein Problem darstellen, zumindest nicht auf der normalen Schwierigkeitsstufe. Dank des absurden Level-Limits von 135 (was mehr als doppelt so hoch ist als ich gekommen bin) könnte das New Game+ allerdings ein bisschen problematisch sein, da die Gruppe irgendwann ihr Limit erreicht, die Gegner aber trotzdem weiterleveln. Wer schon vorher mit Probleme haben sollte, der kann das Spiel allerdings im narrativen Modus bestreiten, der nochmal um einiges leichter sein dürfte als das Spiel ohnehin schon ist.

Bevor ich auf irgendwas anderes eingehe, will ich aber auf Kritikpunkte bezüglich des Kampfsystems eingehen. Zum einen die Tatsache, dass man nur drei Fähigkeiten auf einmal per Hotkeys verwenden kann. Klingt wenig, ist schlussendlich aber vollkommen ausreichend. Schon weil das Spiel sich langsam aber sicher dem Ende nähert wenn man endlich Zeit hätte sich auf eine vierte Fähigkeit zu konzentrieren. Vorher war ich ständig damit beschäftigt meine Waffen (von denen man bis zu vier auf einmal tragen kann) oder Fähigkeiten oder deren Buffs zu stärken und hätte mich somit eh auf nichts anderes fokussieren können.

Die Partymitglieder (die man weder kontrollieren noch wirklich befehligen kann) stagnieren ab dem Zeitpunkt aber dummerweise. Deren Auswahl an Fähigkeiten ist nämlich auf fünf beschränkt, wodurch sie schon lange vor dem Finale ihr maximales Potential erreichen. Vorrausgesetzt man hat vorher ihre Sidequests absolviert. Ansonsten lässt sich die letzte Stufe eines jeden Skills nicht freischalten.

Kampfsystem

Davon abgesehen finde ich das Party-System aber vollkommen in Ordnung. Von den Charakteren mag zwar keiner so effektiv sein wie man selber es zu sein vermag, aber dafür kommen sie einem nur selten in die Quere und sterben auch so gut wie nie. Bei Dragon Age: Inquisition sah das noch ganz anders aus, schon weil die Heilung arg begrenzt war. Mehr als zwei aktive Begleiter hätte ich ebenfalls nicht gebraucht, außer um so viele Party-Gespräche wie nur möglich mitzunehmen, welche teilweise sehr unterhaltsam sein können.

Zusammen mit dem Nomad, zufällig eingespielten Meldungen, sowie Quest-Mitteilungen stellen diese Gespräche allerdings ein Problem dar. Sie unterbrechen sich nämlich ständig gegenseitig oder werden sogar gleichzeitig abgespielt. Wenn man davon nichts verpassen will, bleibt einem also nichts anderes übrig als ständig stehenzubleiben wenn irgendwer anfängt zu reden anstatt mit Vollgas über die Planeten zu rasen.

Apropos Planeten: diese sind ebenfalls ein Problem, zusammen mit den Aliens die dort leben. Und das ist nicht nur ein kleines, nerviges Problem sondern eins das die gesamte Qualität des Spiels nach unten zieht. Die Prämisse des Spiels handelt immerhin davon, dass die Rassen der Milchstraße mithilfe von Archen nach Andromeda aufgebrochen sind um neue Welten und neuen Rassen zu entdecken ... und was finden sie vor? Eine Wüste mit ein paar Gebirgen, eine eisige Einöde, eine trostlose Gebirgslandschaft, eine noch viel größere Wüste, sowie einen kleinen Dschungel der verglichen mit dem Rest allerdings wie eine Randnotiz wirkt. Wirklich andersartige und somit außerirdische Gebiete gibt es dementsprechend viel zu selten, darunter in der ersten Mission. Oder in einer Stadt die man besuchen kann ... beziehungsweise außerhalb der Stadt und nur als Panorama fungierend das man selber nie erkunden kann.

Alienwelt

In dieser Stadt lebt eine von gerade Mal zwei neuen Rassen die Andromeda zu bieten hat. Und die sind beide genauso kreativ wie all die Planeten die man besuchen kann, sprich durch und durch humanoid und in keinster Weise fremdartig. Sie reden sogar Englisch, was selbst mithilfe von Universalübersetzern viel zu schnell vonstatten geht. Von daher hätte die Story auch einfach in der Milchstraße angesiedelt sein können, aber dazu hätten den Entwickler das Ende von Mass Effect 3 irgendwie in die Story integrieren müssen. Und das wollen sie vermutlich nicht, was ich durchaus verstehe aber gleichzeitig auch richtig dumm finde. Genau wie die Tatsache, dass die Aliens vermutlich deshalb humanoid sind damit Spieler etwas menschenähnliches zum bezirzen haben.

Das trifft auf die zweite Alien-Rasse zwar nicht zu, weswegen ich ihr humanoides Aussehen weniger verstehe, aber dafür haben sie ein noch viel größeres Problem zu bieten: jeder einzelne Vertreter dieser Rasse ist durch und durch böse. Ihr Handeln mag verabscheuungswürdig und grauenhaft sein, aber als interessant kann ich sie trotzdem nicht bezeichnen. Nichtsdestotrotz sollen sie als Antagonisten fungieren die eventuell in zukünftigen Titeln noch eine Rolle spielen werden. Im Gegensatz zu den Reapern kann ich aber nicht behaupten, dass ich unbedingt noch mehr über sie erfahren will. Außerdem gab es eine ähnliche Rasse bereits in früheren Teilen, und das auch noch in besserer Form. Das selbe trifft auf eine mysteriöse, hochentwickelte Spezies zu deren Ruinen über ganz Andromeda verteilt sind. Von daher ist es mehr als offensichtlich, dass sich die Entwickler viel zu sehr an den Vorgängern festgeklammert haben anstatt eigene Wege zu gehen.

Kett

Das zeigt sich auch bei diversen Charakteren, die quasi aus den Vorgängern übernommen und nur ein bisschen auf den Kopf gestellt wurden. Wie eine Asari Archäologin die in Liaras Fußstapfen tritt und dementsprechend ihre kleine, verspielte Schwester sein könnte die feste Bindungen zwar verabscheut, für Casual Sex aber durchaus zu haben ist. Fand ich anfangs zwar nicht so berauschend, ihre Gespräche mit den anderen Partymitgliedern gehören aber zu den absoluten Highlights des Spiels, weswegen ich sie gegen Ende ständig in der Gruppe hatte.

In solchen Momenten kann auch der Rest der Party wirklich glänzen, selbst wenn sie einzeln ein bisschen blass wirken mögen. Deswegen finde ich es gut, dass sie nicht nur auf Planeten sondern auch in der Tempest (dem fliegenden Hauptquartier) miteinander interagieren. Von solchen Momenten gibt es aber trotzdem viel zu wenig, darunter einen Filmabend den man kurz vor Schluss veranstalten kann. Zwischendurch finden zwar auch Poker-Abende statt, sehen tut man davon aber leider nichts. Genauso wenig wie von einem Brettspiel der Krogans das sehr unterhaltsam klingt. Da bekommt man nur die Einleitung von mit und dann ist es auch schon vorbei.

Es gibt außerdem viele kleinere Probleme die das Gesamtbild trüben. Vor allem die Tatsache, dass man immer und immer wieder mit ansehen muss wie die Tempest auf Planeten landet oder von diesen abhebt. Und das in vielen Fällen sogar zweiteilig, sprich man sieht sowohl was im Weltraum als auch auf dem Planeten passiert, was echt nicht nötig gewesen wäre. Deswegen würde ich jedem die Mod empfehlen die die Animationen so weit wie möglich verkürzt.

Auf Kadara ist das alles aber noch viel schlimmer, weil die Landezone und der eigentliche Planet auf unterschiedliche Maps verteilt sind. Da musste ich also ständig hoch und runter latschen und bei letzterem auch noch ein bisschen laufen weil man vom Aufzug nicht direkt zu den Schnellreisepunkten springen kann. Wäre das optional gewesen, dann hätte ich vielleicht drüber hinwegsehen können. Das passiert aber alle paar Minuten wenn man gerade dabei ist die Storyline des Planeten abzuschließen.

Mass Effect Tempest

NPC-Kommentare wiederholen sich außerdem immer und immer wieder, selbst wenn damit verbundene Quests bereits beendet wurden. Das selbe trifft auf Nachrichten zu, welche selbst gegen Ende des Spiels noch von Ereignissen am Anfang berichten. Und manchmal hat mein Charakter auch einfach Selbstgespräche geführt die offensichtlich an andere Charaktere gerichtet waren obwohl niemand in der Nähe war.

Ich kann allerdings berichten, dass ich die Charakter-Animationen mit dem finalen Patch gar nicht so schlimm fand wie in vielen Videos gezeigt wurde. Sie sind nur stellenweise ein bisschen hölzern und im Falle von Blickwechseln auch viel zu schnell. Ansonsten gab es spontane Teleportationen sowie Charaktere die entweder außerhalb des Sichtfelds standen oder mich sogar mit ihrem Rücken angestarrt haben als ich mit ihnen reden wollte. Viel schlimmer finde ich allerdings die Tatsache, dass es zu wenig Charaktermodelle gibt. Das zeigt sich vor allem bei den Frisuren, die sich viel zu oft wiederholen, egal ob es sich um NPCs oder wichtige Story-Charaktere handelt. Da hätten sich die Entwickler echt mehr Mühe geben sollen.

Trotz dieser endlosen Liste an Kritikpunkten (die ich durchaus noch erweitern könnte) hat mich das Spiel aber trotzdem gut unterhalten. Zwar nicht so oft wie ich das gern gewollt hätte, und in keinster Weise so gut wie Dragon Age: Inquisition (vom Kampfsystem mal abgesehen), aber ich würde es trotzdem als gutes Science-Fiction Spiel bezeichnen. Als Vertreter der Mass Effect Reihe lässt es allerdings zu wünschen übrig. Was nichts daran ändert, dass ich einem Sequel gegenüber durchaus aufgeschlossen wäre. Allerdings nur, wenn es zu den Stärken der Vorgänger zurückfindet. Es mag in Andromeda zwar noch viel zu erforschen geben, aber die wichtigsten Schritte sind doch jetzt gemacht. Also können sie ruhig zu kleineren Maps zurückkehren damit die Story nicht so lange auf sich warten lässt.




Mass Effect: Andromeda ist zwar nicht so furchtbar wie ich erwartet hatte, die offenen Welten sind aber genauso langweilig wie in Dragon Age: Inquisition. Dort haben mich die Story und die Charaktere allerdings bei der Stange gehalten, was hier nur bedingt der Fall ist. Von daher würde ich es als gutes Science-Fiction Spiel, aber nicht als gutes Mass Effect bezeichnen.

 

Positive Aspekte von Mass Effect: Andromeda

  • die Kämpfe gehen schnell vonstatten und waren für mich auch sehr spaßig
  • die Animationen sind mit dem finalen Patch nicht mehr so furchtbar wie zuvor
  • ab und zu gilt es ein paar Rätsel zu lösen, häufig im Falle eines außerirdischen Sudoku
  • die Partymitglieder mögen auf sich allein gestellt ein bisschen blass wirken, als Gruppe können sie aber durchaus glänzen
  • mit dem Nomad (sowie den Schnellreisepunkten) kann man die Welten schneller erkunden als es in Dragon Age: Inqusition der Fall war, schon weil er nicht ständig an Hindernissen hängen bleibt und keinen Schaden nimmt, egal aus welcher Höhe er stürzt

 

Negative Aspekte von Mass Effect: Andromeda

  • Party-Gespräche und andere Mitteilungen unterbrechen sich ständig gegenseitig
  • es gibt zu wenig Story-Missionen und die Antagonisten sind böse weil sie böse sind 
  • die Lande- und Abheb-Animationen der Tempest dauern viel zu lange und lassen sich nicht überspringen 
  • es gibt viel zu wenig Charaktermodelle, wodurch man unter anderem ständig die selben Frisuren zu sehen bekommt
  • sowohl die neuen Aliens als auch die Planeten lassen an Kreativität vermissen, weswegen die Story auch einfach in der Milchstraße hätte angesiedelt werden können
  • mehrere Sidequests waren bei mir entweder nicht machbar oder gingen erst nachdem ich das Spiel neu geladen hatte
Mass Effect: Andromeda Reviewed von Jack am 2017-08-28 Rating: 3

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

AddThis