[Review] The Legend of Heroes: Trails from Zero - Jack-Reviews.com

[Review] The Legend of Heroes: Trails from Zero

The Legend of Heroes

Trails from Zero ist der erste Teil der Crossbell Duologie, welche als Bindeglied zwischen Trails in the Sky und Trails of Cold Steel fungiert. Davon gibt es aktuell zwar keine offizielle Übersetzung, aber es wurde mittlerweile ein PS4 Remaster angekündigt das irgendwann hoffentlich auch außerhalb Japans veröffentlicht wird. Bis es soweit ist kann man sich aber eine Fan-Übersetzung der PC Fassung von der Geofront Webseite besorgen. Die japanische Fassung des Spiels ist dort aber natürlich nicht erhältlich, von daher müsst ihr selber schauen wie ihr da ran kommt. Wer dies auf legalem Weg erledigen will, der findet auf Reddit eine Anleitung wie man die digitale Fassung auf dlsite.com erwerben kann.

Die gilt allerdings nur für Trails from Zero, da Trails to Azure nochmal eine komplett andere Angelegenheit ist und nur über irgendwelche chinesischen Webseiten gekauft werden kann und scheinbar einen sehr nervigen DRM zu bieten hat. Und obwohl es dafür ebenfalls eine Fan-Übersetzung gibt dürfte diese bei weitem nicht so gut sein wie die vom ersten Teil, welche viele Komfort-Funktionen und Bugfixes zu bieten hat. Selber kann ich das natürlich noch nicht einschätzen, aber ich werde die Qualität des Geofront Patches auf jeden Fall vermissen. Und damit wechsle ich dann mal zum eigentlichen Review!

Trails from Zero ist ein JRPG bei dem sich Kenner von Trails in the Sky direkt wie zuhause fühlen werden. Hier und da mag es zwar kleinere Änderungen geben, aber davon abgesehen ist sowohl das Gameplay als auch die Präsentation des Spiels beinahe identisch. So muss man zum Beispiel immer noch eine Reihe von Quartzen ausrüsten um damit neue Zauber freizuschalten und die Attribute der Charaktere zu buffen. Aber dafür muss man erstmal Sepith sammeln, welche sowohl fürs Erschaffen von Quartzen, fürs Freischalten von neuen Quartz-Slots, als auch fürs Umtauschen gegen Mira (sprich Geld) benötigt werden. Neben den Zaubern gibt es außerdem die Charakter-spezifische Crafts für die man innerhalb von Kämpfen erstmal CP sammeln muss indem man die Gegner angreift, Schaden nimmt, oder bestimmte Accessores trägt die das ganze erleichtern.

Monster

Und da der Schwierigkeitsgrad so ein bisschen zwischen den ersten beiden Teilen von Trails in the Sky angesiedelt ist lassen sich die meisten Gegner sowie diverse Bosse mit den S-Crafts (welche ab 100 CP entfesselt werden können) innerhalb von Sekunden vernichten, vorausgesetzt man spielt das ganze auf Normal. Trails from Zero ist also generell kein schweres Spiel, aber bei ein paar wenigen Kämpfen muss man durchaus aufpassen. Darunter bei einem der wenigen Bosse der in der Lage ist die Charaktere zu one-shotten. Falls man dabei draufgehen sollte kann man den Kampf aber direkt von vorne starten, optionalerweise sogar mit schwächeren Gegnern.

Bei den normalen Trashmobs sollte das aber eher selten vonnöten sein, zumal es ab diesem Teil möglich ist Gegner auf dem Feld anzugreifen um sich einen Vorteil in Form von vier kritischen Erstschlägen zu verschaffen. Ab und zu darf man außerdem einen Gruppenangriff starten der die meisten Kämpfe direkt beendet, zumindest solange die Gegner nah genug beieinander stehen um sie alle auf einmal zu treffen. Wenn man stets darauf achtet, dann ist das Leveln also größtenteils ein Kinderspiel. Die Geofront Übersetzung hat außerdem einen Turbo-Modus zu bieten den man sowohl auf dem Feld als auch innerhalb von Kämpfen an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann, wodurch man viele Stunden einsparen dürfte.

Minispiel
Angel-Experten spielen natürlich ebenfalls im Turbo-Modus um so viele Fische wie möglich an Land zu ziehen!

Außerhalb von Kämpfen muss ich aber dazu raten mit dem Turbo vorsichtig zu sein. Die Implementierung scheint nämlich nicht ganz bugfrei zu sein, wodurch ich mehrmals durch Teleport-Trigger hindurchgerannt bin und mich plötzlich außerhalb der Map wiederfand. Das war an den meisten Stellen zwar kein Problem da ich einfach auf die Map zurücklaufen konnte, aber einmal habe ich mich fast komplett unter einer Treppe festgebuggt, und später kam ich nicht mehr aus einem Stein heraus. Das Spiel erstellt aber glücklicherweise alle paar Minuten einen Autosave wodurch ich die Situation doch noch retten konnte. Ansonsten hätte ich das komplette Gebiet von vorne starten müssen da ich nicht daran gedacht hatte manuell zu speichern obwohl das jederzeit möglich ist.

Mehr habe ich zum generellen Gameplay aber auch nicht zu sagen. Wer Trails in the Sky mochte wird sicher seinen Spaß dran haben, und wer nicht, der nicht. Das selbe trifft auch auf die Story zu, welche größtenteils gemächlich vor sich hin plätschert und erst im letzten Kapitel wirklich eskaliert. Zwischendurch gibt es zwar ein paar kleinere Highlights, aber die dauern meist nur wenige Minuten. Das Spiel dreht sich nämlich um die Special Support Section des Crossbell Police Departments, welche versuchen muss den Ruf der Polizei wiederherzustellen, welche dafür berüchtigt ist nichts auf die Reihe zu bekommen. Und um das zu erreichen imitieren sie auf schamlose Art und Weise die Bracer Gilde, sprich sie jagen Monster, spüren vermisste Personen auf ... oder pflücken Blumen, arrangieren Dates und gehen überfällige Bücher für die Bücherei einsammeln!

Trails from Zero

Der generelle Spielablauf ist mit dem von Trails in the Sky also beinahe identisch. Der einzig nennenswerte Unterschied besteht darin dass sich die Story fast einzig und allein auf Crossbell fokussiert, eine Stadt die aus insgesamt 11 Gebieten besteht. Anstatt ständig in neue Städte zu reisen rennt man also immer und immer wieder durch die selben Gebiete, was auf Dauer echt ermüdend sein kann, vor allem wenn man die ganzen, sich ständig ändernden NPC Gespräche mitbekommen will. Es gibt zwar noch zwei Dörfer, ein Krankenhaus, sowie einen Freizeitpark, aber im Großen und Ganzen fehlt es trotzdem an Abwechslung. 

Wenn Crossbell eine richtige Metropole wäre und die einzelnen Viertel Kapitel für Kapitel freigeschaltet werden würden, dann hätte mich das vermutlich weniger gestört. Stattdessen kann man von Anfang an die komplette Stadt erkunden, von wenigen Gebäuden mal abgesehen. Und da natürlich überall NPCs rumrennen macht es das nur umso anstrengender nach jedem wichtigen Ereignis und zu Beginn eines jeden Kapitels mit jedem einzelnen zu reden. Dementsprechend habe ich das in den letzten Kapiteln drastisch zurückgefahren und nur noch ein paar der interessanteren Charaktere besucht, darunter Estelle und Joshua, die ehemaligen Helden von Trails in den Sky, welche mittlerweile für die Crossbell-Zweigstelle der Bracer Gilde arbeiten. Die spielen hier zwar größtenteils nur eine Nebenrolle, aber ihre Anwesenheit hat durchaus eine gewisse Relevanz. Obwohl Trails from Zero ganz gut auf sich allein gestellt funktioniert (und nicht mal irgendwelche nennenswerten Sequel-Hooks besitzt), wäre es also durchaus von Vorteil die Vorgänger ebenfalls zu spielen.

Special Support Section

Wer das nicht tut wird auf jeden Fall ein bisschen was verpassen, und es gibt ein paar Momente die ohne Vorwissen vermutlich nicht den gewünschten Effekt erzielen, aber wer kein Interesse daran haben sollte eine komplette Trilogie zur Vorbereitung zu spielen, der könnte zumindest in diesen Teil ohne größere Probleme einsteigen. Dank der Special Support Section gibt es immerhin komplett neue Protagonisten deren Stories auch ohne Vorwissen problemlos funktionieren. Und obwohl da auf jeden Fall noch Luft nach oben ist haben mir die Charaktere bisher ganz gut gefallen.

Es wirkt nur etwas seltsam dass es niemanden stört dass Tio Plato, eins der weiblichen Mitglieder, erst 14 Jahre alt ist. Ungeachtet dieser Tatsache wird sie außerdem mehrfach für die potenzielle Freundin von Lloyd Bannings gehalten, dem Anführer der SSS der zwar nur vier Jahre älter ist, aber der vermutlich trotzdem kein Teenie daten würde. Infolge einer bestimmten Hauptquest kann man aber wiederum eine Bruder-Schwester-Beziehung vortäuschen, was wesentlich besser passen würde, aber dementsprechend ein bisschen inkonsistent wirkt. Das ganze nimmt allerdings keine so gewaltige Rolle ein dass es das Spiel irgendwie ruinieren würde. Man muss mit den Charakteren aber auf jeden Fall was anfangen können. Außer den vier aktiven Mitgliedern der SSS gibt es nämlich nur sehr seltene Gastcharaktere die meist nur für ein einzelnes Dungeon mit von der Partie sind.

Romanze

Nach nur einem Teil der Duologie kann ich aber natürlich noch nicht sagen ob die Crossbell Reihe besser oder schlechter ist als Trails in the Sky. Momentan würde ich aber sagen dass die Spiele mehr oder weniger gleichwertig sind, mit gut ausgearbeiteten Settings, einer lebendig wirkenden Welt, einer ordentliche Prise Humor und ein paar netten Twists. Ich finde es allerdings schade dass die Story in gewisser Weise viel zu sehr an Trails in the Sky erinnert. Den Grund will ich hier natürlich nicht verraten, aber es wirkt ein bisschen unkreativ, zumal die Charaktere einen direkt drauf hinweisen. Nichtsdestotrotz bin ich gespannt wie es im Sequel weitergeht.

Dank Trails of Cold Steel weiß ich zwar schon ein bisschen was passiert, aber ich hatte eigentlich erwartet dass diese Ereignisse bereits im ersten Teil in Gang gesetzt werden. Stattdessen lag der Fokus komplett woanders, auch wenn es mich nicht wundern würde wenn eins der wichtigsten Elemente der Story im Nachfolger noch an Bedeutung gewinnen würde. Ob dem tatsächlich so ist werde ich aber vermutlich erst in ein paar Wochen herausfinden. Und da Trails to Azure keinen ganz so praktischen Turbo-Modus haben dürfte werde ich dafür vermutlich ein bisschen länger brauchen.


>>> Die Fanübersetzung kann auf der Geofront Webseite runtergeladen werden <<<

 

Abschließende Bewertung



Trails from Zero ist ein unterhaltsames JRPG dessen Story allerdings die selben Pacing Probleme wie Trails in the Sky hat, sprich sie kommt erst gegen Ende wirklich in Fahrt. Das Finale ist dafür allerdings richtig gut inszeniert.

 

Positive Aspekte von Trails from Zero

  • Durch den Turbo-Modus spart man eine Menge Zeit, vor allem in den Kämpfen.
  • Die NPCs haben ständig etwas neues zu erzählen, wodurch die Welt extrem lebendig wirkt.
  • Die Story braucht zwar ewig um in Fahrt zu kommen, aber das Finale ist dafür richtig gut inszeniert.
  • Gewisse Story-Elemente von Trails in the Sky werden hier auf interessante Art und Weise fortgesetzt. 
  • Der Schwierigkeitsgrad ist zumindest auf Normal ganz angenehm, mit relativ einfachen Thrashmobs und ein paar fordernden Bosskämpfen.
  • Insofern man irgendwie an die Dateien kommt kann man sowohl die Musik, die Sprachausgabe als auch die Videos der Evolution Fassung verwenden.

 

Negative Aspekte von Trails from Zero

  • Es gibt zumindest ein Ereignis innerhalb der Story das so wirkt als ob die Entwickler einfach nur Trails in the Sky kopiert hätten, was extrem unkreativ wirkt.
  • Die Story kommt erst im letzten Kapitel wirklich in Fahrt, was bei einem Durchgang in dem man jede einzelne Sidequest mitnimmt circa 50 Stunden dauern kann.
  • Da man Crossbell von Anfang an fast komplett erforschen kann ist es auf Dauer extrem anstrengend wenn man die ganzen, sich ständig ändernden NPC Gespräche mitbekommen will. Da kann auch die Schnellreise-Funktion in Kombination mit dem Turbo-Modus nichts dran ändern.