[Review] Full Throttle Remastered - Jack-Reviews.com

[Review] Full Throttle Remastered

LucasArts Adventure

Full Throttle Remastered ist eine liebevolle Aufarbeitung eines LucasArts Klassikers den ich selber nie gespielt habe. Vergleichen kann ich die alte und neue Fassung aber trotzdem wunderbar, denn wie schon bei Day of the Tentacle Remastered kann man jederzeit zwischen dem Remaster und der klassischen Fassung hin- und herwechseln. Selbst innerhalb von Zwischensequenzen. Und die paar Male wo ich das probiert habe, war der Übergang so gut wie nahtlos, sprich die alte und die neue Grafik sind schön ineinander übergeflossen ohne dass es irgendwelche gewaltigen Unterschiede gegeben hätte.

Ich muss allerdings sagen, dass ich die Pixelgrafik teilweise hübscher finde als die feingeschliffenen Zeichnungen des Remasters. Im Original wirkt nämlich alles wie aus einem Guss, während es im Remaster einige Szenen gibt, in denen die Charaktere sich viel zu sehr von den Hintergründen abheben. Es kann also nicht schaden ein bisschen rumzuwechseln um zu schauen was einem besser gefällt. Wer unbedingt im Klassik-Modus spielen will, der sollte aber eventuell die Musik, Soundeffekte und Sprachausgabe von Automatisch auf Remaster stellen. Im Klassik-Modus klingt nämlich alle etwas dumpfer, was mir persönlich nicht gefällt.

Comic

Das Spiel handelt jedenfalls vom Anführer einer Biker-Gang der sich weigert als Bodyguard für den CEO von Corley Motors zu arbeiten und dafür eins über die Rübe gezogen bekommt. Als er wieder zu sich kommt ist seine komplette Gang verschwunden weil er angeblich seine Meinung geändert hätte und jetzt vorausgefahren ist um die Straße auszukundschaften. Ich bin mir allerdings nicht sicher wie auch nur einer seiner Biker darauf reingefallen ist ... weil innerhalb weniger Sekunden stellt man bereits fest, dass das eigene Motorrad immer noch dort steht wo auch die anderen geparkt waren. Die Prämisse macht also irgendwie keinen Sinn. Aber gut, das allein ist nicht so wild, zumal sich ein Großteil der Story eh auf etwas anderes fokussiert.

Worauf genau kann ich allerdings nicht eingehen, weil mit circa 3 1/2 Stunden ist Full Throttle selbst für ein Adventure fürchterlich kurz. Und davon ist sicher eine halbe Stunde für ein grauenhaftes Minispiel draufgegangen das ich schlussendlich nur durch Cheats beendet habe. In diesem Minispiel muss man eine Reihe von Bikern besiegen um Waffen zu bekommen um andere Biker besiegen zu können. Klingt simpel, ist es aber nicht. Zumindest nicht bei einer Bikerin die mit einer Kettensäge um sich haut die alles und jeden mit einem Schlag vom Motorrad wirft.

Man soll die angeblich besiegen können indem man ihr ein paar Mal Dünger ins Gesicht wirft, aber aus sicherer Entfernung hat der Dünger nichts gebracht, und sobald ich etwas näher kam wurde ich fast augenblicklich aus dem Kampf gehauen.  Wer in die Anleitung geschaut hat, der könnte da vermutlich denken "Okay, dann überspringe ich die Kämpfe einfach". Das Problem ist nur, es bringt nichts. Man kann die Kämpfe zwar per Tastendruck überspringen, dann bekommt man aber weder eine Waffe noch eins der anderen Items das man braucht um mit der Story fortfahren zu können. Erst durchs Internet habe ich dann erfahren, dass man mit Shift+V automatisch gewinnen kann. Und das habe ich dann auch gemacht.

Motorrad

Später gibt es noch ein weiteres Minispiel das zwar nicht ganz so furchtbar ist (außer man versucht die grauenhafte Maussteuerung zu verwenden), aber trotzdem sehr nervig sein kann wenn man keine Ahnung hat was man eigentlich tun muss. So mag es zwar Destruction Derby heißen, aber einfach nur in die anderen Gegner zu brettern bringt überhaupt nichts. Schon weil das eine Auto das man tatsächlich rammen muss von einem anderen Auto beschützt wird an dem man schlichtweg nicht vorbei kommt. Also muss man sich da irgendwie durchrätseln ... oder nochmal Shift+V drücken!

Das Ende des Spiels ist aber nochmal richtig furchtbar. Die Inszenierung ist zwar cool, genau wie auch im Rest des Spiels, die beiden wichtigsten Entscheidungen laufen aber darauf hinaus, dass man sich durch endlos wirkende Computer Menüs klicken muss um die eine entscheidende Option zu finden die tatsächlich funktioniert. Und all das auch noch unter Zeitdruck. Ist also nichts weiter als grauenhaftes Trial & Error das ein ohnehin sehr kurzes Spiel noch ein paar Minuten in die Länge zieht. Und trotzdem hatten die Entwickler den genialen Einfall das selbe Gameplay direkt nochmal zu recyceln, wenngleich mit etwas weniger Optionen.

Eigentlich schade, weil der Rest des Spiels ist ganz okay. Nicht unbedingt herausragend oder sonderlich witzig, aber im Gegensatz zu vielen Genre-Vertretern aus der Zeit muss man nicht um tausend Ecken denken um die Rätsel zu lösen. Was unter anderem daran liegen könnte, dass sich die Anzahl an Items sehr in Grenzen hält. Und viele Orte gibt es auch nicht zu erkunden. Das Interface hätte aber besser sein können. Man muss Objekte nämlich erst mal anklicken um zu erfahren, was das eigentlich sein soll. Ist aufgrund der Möglichkeit sich alle interagierbaren Objekte anzeigen zu lassen zwar nicht wirklich problematisch, aber trotzdem etwas unschön. Genau wie das überdimensionierte Inventar.

Full Throttle Remastered

Von daher ist Full Throttle ein Adventure das zwar mit seiner Präsentation, nicht aber mit seinem Gameplay zu überzeugen weiß. Eine weniger detailgetreue Adaption hätte das vermutlich ausbügeln können, aber dann hätten sich die Fans vermutlich darüber beschwert dass das Spiel "verschandelt" worden wäre. Wer Full Throttle trotzdem eine Chance geben will, der sollte aber zumindest auf einen ordentlichen Rabatt warten, schon weil das Spiel so kurz ist.




Full Throttle Remastered ist zwar eine liebevolle Aufarbeitung eines Klassikers, aber dadurch ist das Gameplay auch genauso furchtbar wie es damals schon gewesen ist. Das mag zwar nur an drei Stellen wirklich der Fall sein, aber diese fand ich schon so nervig, dass ich Full Throttle nie wieder anfassen möchte.

 

Positive Aspekte von Full Throttle Remastered

  • gute Sprachausgabe
  • die Action-Sequenzen wurden gut in Szene gesetzt 
  • interagierbare Objekte können per Tastendruck eingeblendet werden
  • man kann jederzeit zwischen dem Remaster und dem Klassik-Modus wechseln, wodurch die liebevolle Aufarbeitung der Grafik mehr als offensichtlich wird

 

Negative Aspekte von Full Throttle Remastered

  • sehr kurze Spielzeit von circa 3 1/2 Stunden
  • die Grafik des Remaster wirkt im Gegensatz zum Original nicht immer wie aus einem Guss
  • das Destruction Derby ist keine coole Action-Sequenz sondern nur ein Rätsel dessen Lösung nicht unbedingt offensichtlich ist
  • die Motorrad-Kämpfe sind insgesamt recht nervig, vor allem aufgrund der Kettensägen-Bikerin die ich trotz passender Waffe einfach nicht besiegen konnte
  • im Finale muss man sich durch ein endloses Computer-Menü klicken um die eine Option zu finden mit der man das Spiel tatsächlich gewinnen kann ... und das selbe darf man kurz darauf nochmal wiederholen ... und all das unter Zeitdruck